Wenn Superstars zum Schnäppchen werden

von Redaktion

Beim Trend, teure Spieler erst einmal auszuleihen, können auch die abgebenden Vereine profitieren

München – Auf dem Transfermarkt geht es mittlerweile zu wie im Autohaus. Die Frage ist: Ratenfinanzierung, Direktkauf – oder doch die Leasingvariante? Beim FC Bayern scheint die Antwort klar: Leasen. Vor zwei Jahren borgte man sich mal eben für zwei Jahre James Rodriguez aus Madrid, dieses Jahr pumpten die Münchner Barcelona um die Dienste Coutinhos an.

Doch nicht nur die Bayern sind im großen Leihfieber, das Phänomen ist in ganz Europa zu beobachten. Warum? Weil es ein probates Mittel ist, sämtliche Mechanismen des Geschäfts auszuhebeln. Die Haltung der anleihenden Partei ist klar: Man angelt sich einen teuren Spieler für wenig Geld, den man im Zweifel nach einem oder zwei Jahren wieder zurückgeben kann, sollte der Transfer nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

So lief es bei James: Bayern entschied sich diesen Sommer dazu, die Kaufoption in Höhe von 42 Millionen Euro nicht zu ziehen und schickte den Kolumbianer zurück zu Real. Somit belaufen sich die Kosten für den Südamerikaner, der in zwei Jahren 15 Tore sowie 20 Assists lieferte und damit maßgeblich an zwei Meisterschalen und einem DFB-Pokal beteiligt war, auf schlappe 26 Millionen (13 Mio. Leihgebühr und 13 Mio. Gehalt). Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass James mit 80 Millionen Euro viertteuerster Transfer der Königlichen ist.

Viel attraktiver ist das Leasingmodell derweil für die verleihende Partei. Ganz egal, ob Alexis Sanchez bei Manchester United in der vergangenen Premier-League-Saison nur ein Tor erzielt hat, sein fürstliches Gehalt in Höhe von über 28 Millionen Euro bezieht er aber weiter voll. Kein Wunder also, dass die Finanzabteilung in Manchester den Spieler von der Gehaltsliste streichen will. Da sich aber kein Club findet, der so tief in die Tasche greifen will für einen formschwachen Kicker, ist aktuell eine Leihe an Inter im Gespräch – Gehaltsteilung inklusive.

Coutinhos Marktwertkurve geht schon länger talwärts, weshalb dem FC Barcelona eigentlich nur zwei Optionen blieben: Verluste in Kauf nehmen oder den Kicker verleihen und auf einen Wertanstieg hoffen. Wenn also Coutinho bei den Bayern durchstartet, bekommen die Katalanen entweder 120 Millionen über die Option oder einen finanziell aufgewerteten Coutinho zurück. Eine Logik, die heutzutage die größten Schandtaten des Marktes rechtfertigt.

Und zwar auch solche, die sich am Rande der Legalität befinden. Beispiel Kylian Mbappé: Da die Pariser Scheichs im Sommer 2017 bereits 222 Millionen Euro für die Dienste Neymars durch die Pipeline gejagt hatten, wurde es mit dem Transfer des französischen Stürmers eng. Nicht finanziell, vielmehr regeltechnisch, schließlich hätte PSG bei weiteren 180 Millionen für das Edeljuwel von Monaco Ärger mit der Fußballpolizei bekommen. Da die Scheichs aber nicht von gestern sind, liehen sie Mbappé für 45 Millionen aus – und zahlten die übrigen 135 erst 2018. Clever.

JOSE CARLOS MENZEL LOPEZ

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