Fußball und Fliegen

Wie lange noch im Privatjet?

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Philippe Coutinho in München: angekommen im Privatjet. Franck Ribery in Florenz: auch er eingeflogen im Privatjet. Häufig liest man die Formulierung „standesgemäß im Privatjet“. Wir wurden neugierig.

Privatjet, das klingt nach „Air Force One“, nach eigenem Flugzeug, wie es ein paar CEOs in ihrem Fuhrpark haben, der dann sozusagen ein Flugpark ist. Aber sind Philippe Coutinho, Franck Ribery und andere Fußball-Größen Besitzer einer (mindestens) Cessna, eines Learjet oder einer Gulfstream?

Eine klassische Kaufanschaffung würde sich nicht lohnen, ja noch nicht mal ein Leasing. Während einer Saison kann man höchstens einmal die Woche zum Shoppen nach zum Beispiel Mailand fliegen, die restliche Zeit stünde ein Flieger ungenutzt im Hangar herum. Also: Auch Fußballstars, die locker 10 Millionen Euro netto im Jahr einstreichen, mieten sich einen Jet, wenn sie ihn brauchen. Im Grunde ist das nichts anderes als ein Charterflug. Sündhaft teuer muss das gar nicht sein. Wir haben einige Preistabellen eingesehen: Düsseldorf – Palma de Mallorca, sechs Passagiere, ab 7400 Euro. Ein anderer Anbieter lockt mit einem Stundenpreis von 500 Euro (eine Turboprop/Sprit schon inklusive). So mondän, wie man glauben möchte, ist das alles gar nicht. Und an Bord gibt es wahrscheinlich auch nur Tomatensaft und weder die Pasta noch das Chicken mit Blattgoldüberzug. Der Vorteil des Privatjets: Man darf mehr als 23 Kilogramm Gepäck mitnehmen und sogar Waffen – schließlich beschäftigt mancher Kickstar auch eine Security.

Jedoch und um auf die Formulierung zurückzukommen, dass Reisen im Privatjet „standesgemäß“ sei: Ist es nicht. Es hat seinen Appeal verloren. Es ist eine CO2-Sünde. Barcelona – München kann man auch mit Vueling und Iberia Linie fliegen, München – Florenz ist bei Air Dolomiti mehrmals täglich im Angebot (sogar mit Öko-Siegel, da stets gut ausgelastet). Fußballer werden umdenken müssen – Image ist ihnen schließlich auch wichtig.

Überhaupt: Fußball und Fliegen. Wie lange geht das noch? Es gibt politische Bestrebungen, innerdeutschen Luftverkehr zu untersagen. Es wäre ein Schlag für die Miles-and-more-Clique Bundesliga. Werden die Clubs und Stars auf die Schiene gezwungen?

Falls ja: Dann kommt aber der Privat-ICE.

Guenter.Klein@ovb.net

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