München – Für einen kurzen Moment verschwand dann doch das Lächeln aus dem Gesicht von Greg Monroe. Ob sich die Spielweise in der NBA zu seinen Ungunsten entwickelt hat, war der Starzugang der Basketballer des FC Bayern da gefragt worden.
Die Antwort kam kurz und knapp: „Ich könnte dort noch spielen.“ Tut er aber nicht. Nach neun Jahren und insgesamt 632 Spielen in der NBA zieht es diesen Gregory Keith Monroe Junior, den sie in der Heimat gerne den „Moose“ (also den Elch) nennen, zum ersten Mal nach Europa.
Damit liegt der 29-Jährige ein Stück weit im Trend. In diesem Sommer zog es so viele verdiente NBA-Kräfte wie nie auf den alten Kontinent. Dass seine Wahl aber ausgerechnet auf Deutschland und den FC Bayern fällt, ist dann doch weit ungewöhnlicher. Die Münchner beschweren sich darüber nicht. Im Gegenteil, Geschäftsführer Marko Pesic weiß sehr genau, was für ein dicker Fisch dem deutschen Meister da ins Netz gegangen ist. Und zwar nicht nur sportlich, wo der 2,11-Meter-Kleiderschrank aus New Orleans nicht weniger als die Ambitionen in der Euroleague schultern soll. Monroe ist für den Deutschen Meister auch ein Marketinginstrument. Findet auch Pesic: „Er ist der Coutinho des Basketballs.“
Geld, soviel ist klar, hat diesen Coutinho des Basketballs nicht nach München geführt. Statt der rund 15 Millionen Dollar, mit denen man ihn bei seinen letzten Engagements in Übersee taxierte, streicht er dem Vernehmen nach im Audi Dome inklusive Prämien wohl „nur“ knappe Million ein. Das ist überschaubar gegenüber den rund vier Millionen, die Rückkehrer Nikola Mirotic als Europas neuer Spitzenverdiener beim FC Barcelona verdienen soll. „Ich will spielen und ich will Spiele gewinnen“, sagte er selbst lapidar, „und da war München für mich gerade die beste Option.“
Was dann doch einiges darüber aussagt, wie sehr der Stellenwert der Bayern auch in der kleinen Profisparte mittlerweile gewachsen ist. Durch die Rückkehr in die Euroleague in der vergangenen Spielzeit – die Königsklasse hat auch in Übersee einen guten Klang. Aber auch durch die Engagements von anderen, wie dem nach Istanbul weitgezogenen Derrick Williams. „Was er hier gemacht hat, habe ich schon verfolgt“, sagte Monroe. Genau darauf setzt Bayern-Sportchef Daniele Baiesi. „Derrick Williams hätten wir nicht bekommen, wenn Jared Cunningham zuvor nicht bei uns gewesen wäre“, sagte der Italiener kürzlich. Und so hätten sie nun ohne Williams wohl auch Greg Monroe nicht bekommen.
Wobei die Besonderheit ist, dass Monroe wie auch sein Vorgänger nicht als der Superstar im Audi Dome Einzug hält, der im Vorjahr noch zumindest für einige Monate seine Brötchen beim späteren NBA-Champion Toronto Raptors verdiente. Das wäre aber auch nicht nach der Natur des in kleinen Verhältnissen aufgewachsenen Neu-Bayern, der sich selbst als harter Arbeiter („Ich habe in meinem Leben nie eine Abkürzung genommen“) mit Bodenhaftung sieht. Man mag das auch an der Stiftung ablesen, mit er seit Jahren Projekte für Kinder und Jugendliche unterhält.
Man wird abwarten müssen, wie lange er braucht, um sich an die Eigenheiten des europäischen Basketballs zu gewöhnen. Anders als zuletzt Derrick Williams hat er dafür immerhin die komplette Vorbereitungsphase Zeit. Zweifel hat Monroe nicht, schon eher hohe Ziele. „Jeder Sportler will Titel gewinnen – ich will das auch.“ Und dann hat er wieder gelächelt. Sogar ziemlich breit.