Jay Jay – ein Münchner im Visier der NHL

von Redaktion

John-Jason Peterka spielt mit 17 für den EHC – Sein Rivale: ein gleichaltriger Mannheimer

VON GÜNTER KLEIN

Kitzbühel – Das Eishockey-Testspiel zwischen dem SC Riessersee (Oberliga) und dem EHC München (DEL) war nichts, was die Welt bewegte, beim 8:1-Sieg des Vizemeisters sollte es auch ein wenig um die Show gehen. Dennoch gab es im Garmisch-Partenkirchner Eissportzentrum drei Leute, die die Partie mit heiligem, mit wissenschaftlichem Ernst verfolgten. Drei Scouts aus der NHL hatten sich angemeldet, um John-Jason Peterka zu sehen, 17, frisch aufgenommen ins Profiteam der Münchner. Auch beim Einladungsturnier in Kitzbühel an diesem Wochenende werden geschulte Augen verfolgen, was der Stürmer so alles anstellt. Er ist einer der Topkandidaten für den Draft 2020, bei dem die Talente des Jahrgangs 2002 gezogen werden.

Peterka ist gebürtiger Münchner und der erste Eishockeyspieler in seiner Familie. „Die Eltern haben aber alles für ihn getan“, sagt EHC-Manager Christian Winkler, der Peterka, als der noch ein Büblein war, schon „zwei, drei Mal auf dem Eis hatte“. Mit 13 wechselte der Hochbegabte in die U16 des EC Bad Tölz, trumpfte in der Schüler-Bundesliga auf, „da hat er Spiele entschieden“, vor zwei Jahren holte ihn Red Bull in seine Akademie nach Liefering. Das deutsch-österreichische Team spielte in der tschechischen U19-Liga mit, John-Jason Peterka war dort wie eine Urgewalt: 94 Scorerpunkte in 48 Spielen. Der EHC München beschloss, ihn zum DEL-Spieler zu machen. Jetzt schon.

Vor drei Jahren, so räumt Winkler ein, hätte man sich das wohl noch nicht getraut. „Doch die Causa Seider hat gezeigt, was möglich ist.“ Die Adler Mannheim bauten den Verteidiger Moritz Seider in der Saison 2018/19 vollständig ein, in den Playoffs wurde er 18 und durfte das Gitter vor dem Gesicht, das Juniorenspieler auch bei den Erwachsenen tragen müssen, abnehmen. Wie die Geschichte verlief, ist bekannt: Seider wurde mit Mannheim Meister, spielte mit der Nationalmannschaft seine erste WM, war bester deutscher Verteidiger und wurde von den Detroit Red Wings in der ersten Runde gedraftet. Moritz Seider kann ein Topstar des großen Eishockeys werden. München fühlt sich von Mannheim ermutigt und unter Zugzwang gesetzt. Peterka soll der Seider des EHC werden.

„Jay Jay“, so nennen sie ihn, „hat schon einen Erwachsenenkörper“, findet Winkler. „Da besteht nicht die Gefahr, dass er gleich mal über den Haufen gefahren wird.“ Worauf man halt achten müsse: Dass er gedanklich nicht abhebt bei all dem Lob. „Dafür haben wir den geeignetsten Trainer“, sagt Winkler. Bei Don Jackson müssen junge Spieler nachhaltig überzeugen, ehe sie am Establishment vorbeikommen.

Momentan, in der Vorbereitung, genießt Winkler „die jugendliche Begeisterung in der Mannschaft“. Mit Peterka, dem von der NHL ebenfalls schon vorgemerkten Justin Schütz, Luca Zitterbart, Maximilan Daubner und Dennis Lobach hat der EHC fünf Kandidaten für zwei U23-Positionen, die er pro Spiel besetzen muss. Eigentlich war auch Tobias, der jüngere der Eder-Brüder, noch eingeplant, doch der wechselte nach Düsseldorf. „Man kann nicht alle jungen Spieler haben“, weiß Winkler, „sonst gibt es einen Stau. Wäre Tobi da, hätte es Jay Jay schwerer.“

Die Schattenseite der Peterka-Story ist, dass die Münchner sich an diesem Juwel nicht lange werden erfreuen können. Die Mannheimer müssen auch davon ausgehen, dass Seider schon ein Ex-Spieler von ihnen ist. Adler-Manager Jan-Axel Alavaara sagt: „Er hat in Detroit einen Vertrag unterschrieben, ist gerade drüben im Camp. Und die Red Wings werden entscheiden, wo er nächste Saison spielt.“ Theoretisch kann das Mannheim sein, doch wahrscheinlicher ist, dass Detroit Seider in seinem Farmteam unterbringt.

Die Adler müssen damit rechnen, dass sie auch Lean Bergmann noch an die NHL verlieren. Der war eigentlich als Zugang aus Iserlohn eingeplant, hat jedoch die Chance, sich bei den San Jose Sharks vorzustellen. Alavaara: „Lean fliegt am 2. September rüber. Aber Moritz ist sicher näher dran an der NHL.“ Ein Verlust würde Mannheim schmerzen: „Zwei U23-Spieler, die nicht zu ersetzen wären.“

Oder vielleicht doch? Tim Stützle, 17, Stürmer, rückt auf. Alavaara: „Schon jetzt ein phantastischer Spieler.“ In der deutschen U20-Liga 66 Punkte in 26 Spielen. Peterka und Stützle liegen nicht weit auseinander. Peterka ist einen Tag älter.

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