München – Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Nach drei Jahren hat die Geschichte um Renato Sanches beim FC Bayern ein Ende gefunden – mit Schrecken. Vereinzelt gab es Lichtblicke, zum Beispiel sein sagenhafter Treffer in der Champions League bei seinem Ex-Arbeitgeber Benfica Lissabon. Alles in allem blieb die Saga um die Rastarakete in München aber ein einziges Missverständnis. Ein Wutausbruch sowie eine geschwänzte Laufeinheit samt Geldstrafe später ist sie nun vorbei. Der nächste Halt lautet: Lille. Dem Club aus der französischen Ligue 1 ist der Europameister von 2016 angeblich 20 Millionen Euro plus Bonuszahlungen wert – und so ging alles ganz schnell.
In einem Privatflieger flüchtete Sanches vormittags Richtung Frankreich und absolvierte den Medizincheck und setzte seine Unterschrift unter einen Fünfjahresvertrag. Am Abend folgte dann auch noch die offizielle Bestätigung des Wechsels. Addiert man dem Gesamtvolumen des Transfers die 8,5 Millionen Euro für die einjährige Leihe zu Swansea hinzu, haben die Bayern den Großteil der 35 Millionen, die sie 2016 für Sanches an Benfica zahlten, wieder drin.
Für Sanches geht damit ein turbulenter Sommer zu Ende. Während der US-Tour des Rekordmeisters erklärte Trainer Niko Kovac überraschenderweise, dass er Sanches in seine Planungen für die anstehende Spielzeit miteinbeziehe. In einem Gespräch mit Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge habe man Sanches von einem Verbleib überzeugt. Der Kicker selbst stellte jedoch wenig später klar, dass für ihn keine Versprechen, sondern nur Minuten auf dem Feld zählen. „Spiele ich nicht, muss ich woanders hin“, so der 22-Jährige. Nachdem er beim Saisonauftakt gegen die Hertha lediglich fünf Minuten auf den Platz durfte, war das Kapitel FC Bayern für ihn endgültig beendet.
Für Marc Roca dagegen könnte es demnächst beginnen. Nach dem Verkauf von Renato genießt der U 21-Europameister von Espanyol wieder oberste Priorität. Wie diese Zeitung aus dem direkten Umfeld des Spielers erfuhr, sind sich Roca und die Bayern bereits seit längerer Zeit einig.
Das einzige Problem stellten zunächst die 40 Millionen Euro dar, die Espanyol Barcelona für den 22-Jährigen haben wollte. Den Bayern war diese Summe bisher zu hoch. Durch die Einnahmen aus dem Sanches-Transfer soll dies nun anders sein. Es soll ein 30-Mio.-Paket geschnürt werden, um Espanyol zu überzeugen.
JOSE CARLOS MENZEL LOPEZ