Der DFB gilt ja als eher zurückhaltend, wenn es um die Einführung neuer Wettbewerbe geht. Club-WM, Global Nations League, Europa League 2, bei FIFA und UEFA wird man dagegen nicht müde, immer neue Ideen zu entwickeln, schließlich müssen die Milliardengewinne, die schon jetzt generiert werden, nicht das Ende der Fahnenstange sein. Da geht noch mehr. Und wenn der Fan dabei ein klein wenig den Überblick verlieren sollte, sein Problem. Am Ende wird er doch zahlen.
Nun aber hat der DFB allen gezeigt, dass auch er echt innovativ denken kann. Zumindest sein Interimspräsident Koch. Der hat gerade als neuen Wettbewerb den DFB-ePokal angekündigt. Koch gilt, obwohl durchaus fortgeschrittenen Alters, als großer Freund des virtuellen Spiels, der Fußball, so sagt er, sei in der Pflicht, sich mit gesellschaftlichen Veränderungen zu beschäftigen. Da hat er ja nicht unrecht. Ist es aber wirklich die Aufgabe eines Fußball-Verbands, dem Zeitgeist hinterher zu hecheln und die Jugend statt auf den Rasen an die Konsole zu locken?
Eigentlich hatten wir ja gedacht, ein Sportverband reagiere auf die Veränderungen, indem er Kindern attraktive Alternativen aufzeigt zur ohnehin längst unumgänglichen Beschäftigung mit Smartphone, Laptop und Computer. Dass er die Kids anregt zur Bewegung, zum Spiel im Freien, zum Kicken unter Freunden, ganz altmodisch analog. Dass das dringend nötig wäre, betonen Sportwissenschaftler seit langem, viele Initiativen sind entstanden in den letzten Jahrzehnten, die sich engagieren für eine gesunde Kindheit außerhalb des digitalen Raums. Die Sportverbände waren dabei enge Verbündete. Und nun scheren sie aus?
Stören sie nicht die erschreckenden Zahlen, die der Sportwissenschaftler Bös immer wieder präsentiert? Zehnjährige Buben sind heute im Schnitt drei Kilo schwerer, 20 Prozent leiden unter Übergewicht, die Zahl hat sich verdoppelt. 7,1 Prozent der Viertklässler sind von Adipositas betroffen, sechs von zehn Kindern können keinen Purzelbaum mehr schlagen. Dramatisch findet das Bös. Nur er?
Klar, man kann auch einfach mit den Schultern zucken, sagen, so ist sie eben, die gesellschaftliche Entwicklung. Wer sich verschließt, wird abgehängt. Und außerdem, an der Konsole fühlen sich dicke Kinder nicht mehr ausgegrenzt wie früher auf dem Bolzplatz. Auch Fettleibige können den Joystick erstaunlich filigran bewegen und dabei eine derartige Virtuosität entwickeln, dass sie vielleicht sogar mal den DFB-ePokal gewinnen, der, so Koch, analog zum realen DFB-Pokal ablaufen soll.
Schöne neue Welt! Vielleicht sind wir Alten geistig nicht mehr flexibel genug, um Kochs Idee wirklich gut zu finden. Vielleicht aber liegen wir auch nicht ganz falsch mit unserem Verdacht, dass es am Ende doch wieder nur ums Geschäft geht, nicht um das Wohl der Jugend. Die Computerspielbranche ist ein gigantischer Wachstumsmarkt, da wollen Sportverbände nicht abseits stehen, wenn die Gelder verteilt werden. Und der schleichende Mitgliederverlust könnte damit auch mehr als ausgeglichen werden. So konservativ, wie oft behauptet, ist der DFB also gar nicht.
Uns aber wäre es lieber, er würde sein Engagement im realen Fußball stärken, etwa bei den Amateuren an der Basis. Auch um neue Stars hervorzubringen, die den Kids echte Vorbilder sind und sie zu eigenen Aktivitäten anregen. So wie Felix Neureuther mit seiner Initiative „Beweg‘ dich schlau“. Wenn er damit jungen Menschen Freude an der Bewegung vermitteln könne, sei das mehr wert als jede Medaille, hat er mal gesagt. Und meinte damit Bewegung im Freien, in der Natur. Nicht am Bildschirm.