Eine der großen Fragen des Fußballs lautet: Kann der Spielplan einer Liga ungerecht sein? Die Frage klingt zunächst unsinnig, weil das Wesen einer Liga ja ist, dass jeder gegen jeden spielt, einmal zuhause und einmal auswärts. Und in der Bundesliga – anders als etwa in der Premier League – auch in der gleichen Abfolge in Hin- und Rückrunde. Das klingt unübertreffbar fair.
Dennoch machen einige Vereine Gerechtigkeitslücken aus. Borussia Dortmund etwa hat moniert, dass es immer nach einem Unter-der-Woche-Spieltag der Champions League in der Bundesliga auswärts antreten muss. Gut, das kann ein kleiner erfolgsmindernder Faktor sein, weil Regeneration leichter fällt, wenn man seine gewohnte Umgebung hat und nicht von Hotel zu Hotel ziehen muss. Nach Spielen der Königsklasse sind die Beine schwerer.
Den Spielplan der Bundesliga lässt die DFL schon seit Jahren von einer Software erstellen, die immer wieder aktualisiert wird. Das Computerprogramm berücksichtigt Stadionbelegungen, Fan-Bewegungen, sonstige Großveranstaltungen, Feiertage. Es ist eine Methode, die Spielplangestaltung zu objektivieren. Die Maschine ist schlau – aber hat keine Empathie. Denn ein ungeschriebenes Gesetz der Bundesliga ist: Die Aufsteiger behandelt man pfleglich. Lässt sie mit machbaren Heimaufgaben starten, damit sie mit Schwung in die neue Liga gehen. Nachlassen werden sie ohnehin irgendwann.
Doch Köln und Paderborn mussten auswärts anfangen, bei den kalten und reichen Konzernclubs in Wolfsburg und Leverkusen, und Union Berlin hat bei seinem Heimspiel die Übermacht Leipzig vorgesetzt bekommen. Ergebnisse: drei Niederlagen. Zweiter Spieltag: Köln nun daheim, aber es bekommt die unschlagbaren (solange die Champions League noch nicht begonnen hat) Dortmunder vorgesetzt, Paderborn die Freiburger im Fritz-Keller-wird-Präsident-von-Deutschland-Hoch. Einziger Aufsteiger-Punkt: das 1:1 von Union in Augsburg. Nächster Spieltag: Union gegen den unbesiegbaren BVB (es ist immer noch nicht Champions League), Köln beim Club der Stunde, Freiburg, Paderborn in Wolfsburg. Gemein!
Guenter.Klein@ovb.net