Kitzbühel – Einen Pokal gab es auch. Und weil das Turnier in Kitzbühel stattfand, war die ortstypische Gams, bekannt von den Hahnenkamm-Rennen, in die Trophäe eingearbeitet. Patrick Hager, Kapitän am Samstagabend, fuhr den Cup dann vielleicht etwas zu theatralisch übers Eis, und auch der Jubel von Konrad Abeltshauser hatte etwas leicht Parodistisches. Die Profis des EHC München wussten natürlich: Das Abschneiden beim vom Besitzer veranstalteten Hausturnier („Red Bull Salute“) wird bald nur noch eine Fußnote sein, denn es warten wichtigere Aufgaben: die DEL, in der München Meister Mannheim jagen, und die Champions League, in der der EHC auch wieder ins Finale will. Die Gruppenphase beginnt schon am Donnerstag mit einem Heimspiel gegen den HC Ambri-Piotta aus der Schweiz.
Das Turnier in Kitzbühel war schon der Abschluss der Saisonvorbereitung, die wie immer unter Trainer Don Jackson kurz und knackig ausfiel. Ab jetzt kommen die Pflichtspiele. In die geht man mit dem Bewusstsein, schon voll im Wettbewerbsmodus zu sein. Die Mannschaft hat sich nicht gravierend verändert, die vier Zugänge Gogulla, Roy, Bourque und Partlett haben alle die Erfahrung, sich in ein Team einzufügen. Die EHC-Maschinerie läuft, das zeigten die Spiele in Kitzbühel gegen IFK Helsinki (2:1 im Halbfinale) und die Malmö Redhakws (7:4 im Finale). Finnen wie Schweden war der EHC schon in den vergangenen beiden Saisonen der Champions League begegnet.
Partien München – Malmö haben eine Spektakel-Garantie. 3:2 und 1:6 endeten 2018/19 die CHL-Begegnungen in der Vorrunde, im Viertelfinale trafen die Teams noch einmal aufeinander, der EHC gewann zuhause 2:1 und erreichte in Malmö ein 5:5 nach Verlängerung, das gefeiert wurde wie ein Sieg, weil man mit diesem Resultat weiter kam.
Das 7:4 von Kitzbühel passt gut in diese Reihe. Malmö ging in der 1. Minute in Führung, schlug ein Tempo an, das dem EHC zu schaffen machte. Doch ab dem zweiten Drittel gehörte das Spiel den Münchnern, die durch Bourque, Daubner und Voakes trafen. Im letzten Abschnitt waren Schütz, Mauer, Christensen und Kastner die Torschützen. Wobei die letzten beiden Treffer ins verlassene Tor der Redhawks erfolgten. Bis zur 59. Minute stand es 5:4, der EHC war gefordert. „Es war eine enge Partie, sie ist am Schluss hitzig geworden, die Schweden mussten den Torwart ziehen“, sagte Maxi Daubner, der mit John-Jason Peterka und Justin Schütz die Jugend-forsch-Sturmreihe bildete.
In beiden Turnierspielen Torschütze war Mads Christensen. Der Däne mit deutschem Pass hat die schmerzhafteste Saison seiner Karriere hinter sich. Im Oktober verletzte er sich an der Schulter, wurde operiert. „Es heißt: Man muss neun Monate Pause machen. Und dann spielt man nach fünf Monaten wieder.“ Zu den Playoffs im März kehrte er zurück. Es war ein Opfergang: „Ja, aber man macht das halt.“ Weggelassen hat er nach der Vizemeisterschaft in der DEL die WM mit Dänemark. Eine Vernunftentscheidung für die Gesundheit. Außerdem: „Ich hatte die zehn Weltmeisterschaften davor alle gespielt.“ Christensen ist jetzt 32, er muss haushalten mit seiner Energie: „Der Fokus liegt auf München.“
Und er ist immer noch ein zentraler Spieler. Verwendbar als Linksaußen wie als Mittelstürmer. Zudem der Wegbegleiter von Don Jackson. Schon bei den Eisbären Berlin haben sie zusammengearbeitet. Aus Berlin kennt Christensen auch Steve Walker, den neuen Assistenten von Jackson. 2011 spielten Christensen und Walker für die Eisbären in einer Sturmreihe, sie wurden Meister. Dass er ihn nun hinter der Bande wiedertrifft, erstaunt Christensen nicht: „Steve war immer schon eishockeyschlau.“