Regel und VAR
Die Schiedsrichter hatten es schon vor dem Auftakt geahnt: Es wird trotz der Präzisierung der Handspiel-Regel weiter Diskussionen geben. Am zweiten Spieltag geschah dies gleich an mehreren Plätzen: Auf Schalke, weil der Video-Assistent in Köln nicht einschritt (siehe Bayern-Berichterstattung), in Hoffenheim, weil es Kritik an der Richtlinie gab, dass ein Tor nicht zählt, wenn der Schütze zuvor den Ball mit der Hand berührt hat – egal ob absichtlich oder nicht. „Das Regelwerk, so wie es verändert wurde, ist eine Sache, die den Fußball wieder verschlechtert“, sagte Bremens Stürmer Niclas Füllkrug nach der 2:3-Niederlage der Hanseaten bei der TSG Hoffenheim. Sein Treffer zum vermeintlichen 2:2 für Werder war aberkannt worden, weil er zuvor den Ball an den Arm bekommen hatte.
Borussia Dortmund
Es gibt im Internet eine Bundesliga-Tabelle, da liegt Borussia Dortmund mit nur einem Punkt auf Platz 15, Bayer Leverkusen führt, und der FC Bayern ist nur Mittelmaß. Es handelt sich um die Tabelle der 1. Halbzeit, die der 2. Halbzeit sieht etwas anders aus: Der BVB belegt Platz eins vor Freiburg und den Münchnern. Die Westfalen sind wieder das, was sie lange Zeit auch in der vergangenen Saison gewesen sind: Könige der zweiten Halbzeit. Während das Team von Trainer Lucien Favre beim Auftakt die Augsburger Führung zumindest schnell egalisiert hatte, dauerte es dieses Mal nach dem 1:0 des 1. FC Köln mehr als 40 Minuten, ehe das erste Tor des Favoriten fiel – zuvor waren Julian Brandt und Achraf Hakimi eingewechselt worden und hatten für neue Impulse gesorgt. Mit den Treffern zwei und drei ging es schneller – am Ende hieß es 3:1 für Dortmund. Der BVB hat viel Qualität auf der Bank, mehr als in der vergangenen Saison. Und da war der BVB Tabellenführer, solange er mehr Tore nach der Pause erzielte als davor.
SC Freiburg
Im 20. Bundesliga-Jahr gibt es für den SC Freiburg immer noch etwas Neues. Mit sechs Punkten ist er noch nie in die Saison gestartet. Nach dem 3:1 gegen den SC Paderborn belegen die Breisgauer Platz zwei und sind damit erster Verfolger der Dortmunder. Damit darf man Trainer Christian Streich aber nicht kommen- „Wir müssen schauen, dass wir noch stabiler werden“, konterte er.
Aufsteiger
Es gibt keine Informationen darüber, wie der Trainer des SC Paderborn im Privatleben zu Blumen steht. Beruflich jedenfalls kann Steffen Baumgart sehr gut darauf verzichten, wie er nach dem 1:3 gegen Freiburg deutlich zu verstehen gab. „Es geht darum, nicht jede Woche Blumen zu kriegen, sondern auch Punkte.“ Zwei Spiele, null Zähler, aber jede Menge Lob gab es bisher für den Bundesliga-Rückkehrer. Auch der andere Aufsteiger, Union Berlin, heimste Komplimente ein, aber der Bundesliga-Debütant steht anders als Paderborn nicht mehr mit leeren Händen da. Union trotzte Augsburg ein 1:1 ab.
Duell der WG-Kumpel
Sandro Schwarz ließ sich nichts anmerken nach dem 1:3 seines FSV Mainz 05 gegen Borussia Mönchengladbach mit seinem ehemaligen WG-Kumpel Marco Rose auf der Trainerbank. „Es muss ihm nicht leidtun“, sagte der Mainzer Coach, der nach der dritten Pflichtspiel-Niederlage in Serie bereits unter Druck gerät. Die Freundschaft hat keinen Schaden genommen, anschließend trafen sich die beiden noch zu einem gemeinsamen Abendessen. Aber vielleicht sollte sich Schwarz überlegen, ob er am alten Brauch festhalten und weiter mit seinem Trauzeugen verreisen soll. „Im Urlaub“, kündigte Rose an, „krame ich das vielleicht noch einmal raus.“
FC Augsburg
Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj waren in der vergangenen Woche verpflichtet worden, um mehr Struktur in die Defensive zu bekommen beim FC Augsburg. Immerhin: Die Schwaben kassierten nur einen Treffer, aber der Gegner war ja nicht wie in der Vorwoche mit Dortmund ein Titelaspirant, sondern Union Berlin, ein Abstiegskandidat. Weil Augsburg selbst lediglich ein Treffer gelang, reichte es eben nur zum 1:1. Jedvaj, lobte Manager Stefan Reuter trotz dessen unglücklichen Fehlpass vor dem Gegentor (führte zum ersten Bundesliga-Tor von Union durch Sebastian Andersson), bringe „Geschwindigkeit und Kopfballstärke“ ins Spiel. Und Lichtsteiner, der 35-jährige Routinier aus der Schweiz? Er coache mit seiner Erfahrung die Mannschaft auf dem Platz, findet Reuter. Aber noch nicht perfekt – die Leistung der beiden Neuen ist noch ausbaufähig. ELISABETH SCHLAMMERL