Es fehlte nur noch, dass Hasan Ismaik öffentlich Krokodilstränen vergossen hätte. Aber auch so wirkte seine via Facebook verbreitete Mitleidsbekundung ziemlich heuchlerisch. Nein, so schrieb er, „eine Generalkritik wäre jetzt das falsche Signal“. Das sagt ausgerechnet jener Mann, der seit Monaten, ja seit Jahren seinen angeblichen Herzensverein mit schonungsloser Kritik peinigt. Zuletzt schwang er sogar hemmungslos mit der Rassismus-Keule, eine der aktuell gröbsten Waffen im Meinungsstreit. Die damit konfrontierte Vereinsführung tat übrigens gut daran, auf die entsprechenden Vorwürfe des beleidigten Jordaniers nicht weiter einzugehen.
Fest steht jedenfalls, dass Ismaik auch im achten Jahr seines seltsamen Engagements beim Münchner Traditions-club nichts unversucht lässt, seinen bislang unerfüllten Machtanspruch mit permanenter Zwietracht durchzusetzen. Ein Verhalten, bei dem es nur Verlierer geben kann. Führungskrisen im Profifußball – dafür gibt es zahllose Beispiele – üben in den allermeisten Fällen eine verheerende Ausstrahlung auf das sportliche Gelingen aus. Bei den Sechzigern hat das – abgesehen vom Wiederaufstieg aus der Regionalliga – zu einem ständigen Abwärtstrend geführt. In dieser Saison scheint gar nur nach sechs Spieltagen festzustehen, dass die Löwen sich auf einen nur schwer zu überstehenden Abstiegskampf gefasst machen müssen.
Weiterhelfen – darin herrscht Einigkeit – können nur Verstärkungen. Doch die sind aufgrund der internen, von Ismaik forcierten Blockade nicht finanzierbar. Für die notwendige Kapitalerhöhung, die Insidern zufolge auf die Schnelle bis zu fünf Millionen Euro einbrächte, wäre eine Art Friedensschluss notwendig. Doch der ist aufgrund Ismaiks Aversion gegenüber Präsident Robert Reisinger ganz offenbar unmöglich. Ein Teufelskreis.
Wahr ist, dass die bittere Wahrheit auf dem Platz liegt. Und dort sind die Sechziger derzeit nicht konkurrenzfähig. Auch der zuletzt angeschlagen und sehr ratlos wirkende Daniel Bierofka sprach beim 1:5 in Magdeburg den Seinen die Drittligatauglichkeit ab. Das Verhältnis des Trainers zur Mannschaft dürfte sich, nebenbei gesagt, damit nicht unbedingt verbessern. Eine bedenkliche Entwicklung in schwierigen Zeiten.
Was jetzt noch helfen kann? Nun, es hängt alles an Ismaik. Entweder er stimmt der Kapitalerhöhung zu. Oder er sorgt aus eigener Tasche für weitere neue Kräfte. Eine Rückkehr in die Viertklassigkeit dürfte ja auch nicht in Ismaiks Sinne sein. Derlei Pragmatismus allerdings ist eher untypisch für den so unversöhnlichen Investor.
Armin.Gibis@ovb.net