Leipzig – Timo Werner lächelte vergnügt und glaubte wohl, die Fragen nach dem großen Club aus dem Süden hätten sich erledigt. Doch auch nach der überraschenden Vertragsverlängerung des Nationalstürmers bei RB Leipzig schwelte das Thema Bayern München im Hintergrund. Dank einer Ausstiegsklausel im neuen Kontrakt bis 2023 wäre ein Wechsel in Zukunft wohl leicht möglich.
Allerdings haben die Bayern in diesem Sommer bewusst Abstand von einem Transfer genommen. Steht ein Wechsel zum Rekordmeister überhaupt noch zur Debatte? Werner selbst reagierte darauf nach dem 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt, zu dem er den Führungstreffer beigetragen hatte, schmallippig. „Ich habe heute bei Leipzig unterschrieben. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Die anderen Sachen sollte man jetzt auf sich beruhen lassen“, sagte der 23-Jährige. Natürlich möchte Werner lieber in Ruhe Tore schießen, aber die Spekulationen bleiben.
Die Clubführung war im Gegensatz zu Werner schon auskunftsfreudiger. „Das Fußballgeschäft ist schnelllebig. Wir haben jetzt diese Saison Ruhe. Was dann in der Saison passiert und was nächste Saison ist, das werden wir sehen“, sagte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Nicht unmöglich also, dass im nächsten Jahr wieder ein ähnlicher Poker droht. Die Ausstiegsklausel soll laut „Bild“ eine Ablöse bis zu 60 Millionen Euro enthalten. Zudem wird in jedem Jahr, das Werner bleibt, die Summe geringer. Ob man in München dann wieder aufhorcht?
In dieser Transferphase zerschlug sich der Wechsel zum FC Bayern, da Ivan Perisic und Philippe Coutinho ausgeliehen wurden. Recht einfach hätten die Münchner Werner für eine Ablöse weit unter seinem Marktwert holen können. Doch sie passten. Auf ein konkretes Angebot wartete der wechselwillige Werner vergeblich. Daher die lange Hängepartie im Vertragspoker. Seriöse Offerten gab es unter anderem vom FC Valencia und von Atletico Madrid, dies bestätigte Mintzlaff.
„Aber Timo hat gesagt, das Ausland reizt ihn momentan nicht, und damit möchte er sich nicht beschäftigen. Da war für uns klar, dass wir alles versuchen werden, ihn davon zu überzeugen, dass das hier der richtige Verein ist“, so der 44-Jährige. Vergütet wird Werner die Verlängerung laut „Bild“-Informationen mit stattlichen sieben Millionen Euro pro Jahr. Anders als von vielen Seiten berichtet, wurde am RB-Angebot laut Mintzlaff nicht nachgebessert: „Da ging es nicht darum, mehr Geld herauszuholen. Hier ging es um eine Grundsatzentscheidung.“
Die Arbeit mit Julian Nagelsmann und die Entwicklungsmöglichkeiten, die der neue Trainer ihm aufzeigte, dürften Argumente zum Bleiben gewesen sein. „Am Ende habe ich gesagt, dass der Schritt, dieses Jahr mit RB mit Ruhe anzugreifen, besser ist“, so Werner. Laut Mintzlaff könne der Angreifer „auch hier den nächsten Schritt machen“, denn auch in Leipzig spielt er in der Champions League. Was danach ist, wird sich zeigen. „Irgendwann kommt vielleicht die Zeit, wo er zu einem ganz großen Club wechselt.“ sid