Bratislava – Felix Koslowski weiß ganz genau, was es heißt, als Jungspund ins kalte Wasser geworfen zu werden. Damals, 2010, mit gerade einmal 26 Jahren, wurde der gebürtige Schweriner Cheftrainer bei den Frauen von Volleyball-Bundesligist VfB 91 Suhl. Dieses Einstiegsalter konnten noch nicht einmal Julian Nagelsmann oder Domenico Tedesco in der Fußball-Bundesliga toppen. Nagelsmann übernahm Hoffenheim „erst“ mit 28, Tedesco war bei Erzgebirge Aue sogar noch einmal drei weitere Jahre älter.
Doch Alter ist für Koslowski nur ein Wort. „Entscheidend ist, ob du respektiert wirst und Ahnung hast“, sagt der heute 35-Jährige kurz und knapp. Und da gab es bei diesem Coach von Beginn an keine Zweifel. Geprägt von Assistenz-Jobs im Ausland und auch in der Bundesliga ging er am Regiepult konsequent ans Werk. Die Ergebnisse blieben nicht aus. Mit den Suhlerinnen wurde er gleich in seiner Premierensaison Dritter der Meisterschaft.
Die Erfolgsspur war gelegt, Begehrlichkeiten wurden geweckt. Meister Schweriner SC holte Koslowski in dessen Heimatstadt zurück, seit 2015 ist er zudem in Personalunion für die Nationalmannschaft zuständig. Ein Glücksfall für den Verband DVV. Denn seit Koslowskis Amtsantritt geht es auch für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft Schritt für Schritt wieder bergauf.
Schon bei der WM 2018 gelangen der Mannschaft Achtungserfolge. Unvergessen der 3:2-Erfolg nach 0:2-Satzrückstand gegen den zweimaligen Olympiasieger Brasilien. Am Ende stand Platz elf, doch das Team hatte sich mit ihrem Regisseur Koslowski zumindest teilweise ins Rampenlicht gespielt. „Wir werden wieder wahrgenommen“, hatte Koslowski damals mit einem Lächeln erklärt, „man spielt ungern gegen uns.“
Davon können nun auch die Frauen von Rekord-Europameister Russland ein Lied singen. In Bratislava im dritten Gruppenspiel setzte es eine überraschende 2:3-Pleite gegen Deutschland. Und nicht nur die unterlegenen Russinnen waren verblüfft. Auch der Sieger selbst: „Ich bin seit 2006 dabei und habe das nie erlebt, jetzt, 2019, 13 Jahre später“, sagte Koslowski nach dem Coup. Auch im folgenden Spiel gegen die Slowakei gewann sein Team mit 3:1-Sätzen.
Wichtiger noch als das Ergebnis war für Koslowski allerdings die Bestätigung seiner resoluten Verjüngung des Teams. Mit einem Durchschnittsalter von 23,7 Jahren ist der Kader gegenüber der EM 2017 (24,6) noch einmal jünger geworden. Gleich sechs Debütantinnen holte der Trainer.
Die ersten Früchte seiner Ernte holt er sich in Bratislava, wo er mit seiner Mannschaft vorzeitig das Achtelfinale erreicht hat. Und das soll erst der Anfang sein. Koslowskis hat schon die Olympischen Ringe im Visier. Das Abschlussklassement der EM ist für die Zusammensetzung des kontinentalen Qualifikationsturniers im Januar maßgeblich.
„Wir haben einen echt guten Mix gefunden“, sagt der Coach über seinen Kader, von dem er eine Menge hält: „Wenn wir es schaffen, das Maximale herauszuholen, können wir mit jeder Mannschaft mithalten.“ Russland wird nicht widersprechen. sid