Hannover –Den kleinen Radsport-Hype von der Tour de France wollen Emanuel Buchmann und Co. gerne mit in das Prestigerennen in der Heimat hineintragen. Gut vier Wochen nach der Frankreich-Tortur steht bei der Deutschland-Tour (29. August bis 1. September) mit dem heutigen Start in Hannover das nächste Highlight auf dem Programm. „Ich freue mich auf die deutschen Fans und möchte die Stimmung so gut als möglich genießen“, sagte Buchmann. Für einen Großteil des Rummels wird der Radprofi vom Team Bora-hansgrohe mit seinem aufsehenerregenden Auftritt in Frankreich selbst gesorgt haben.
Hunderttausende Zuschauer an den Straßen, die Entscheidung täglich live in ARD und ZDF: Nur ein Jahr nach der Wiedereinführung ist die Deutschland-Tour auf gutem Weg, sich wieder einen festen Platz im Radsport-Kalender zu schaffen. „Wir wollen das Rennen entwickeln, Schritt für Schritt. Jetzt versuchen wir erst einmal, die vier Tage größer zu machen“, sagte Cheforganisator Claude Rach. Durch das jüngst gesetzte „i-Tüpfelchen“ (Rach) des Tour-Vierten Buchmann könnte diese Entwicklung noch beschleunigt werden.
Die Starterliste des Rennens überzeugt. Neben Buchmann sowie der deutschen Sprint-Hoffnung Pascal Ackermann und dem Zweiten des Vorjahres Nils Politt sind auch internationale Stars in Deutschland und nicht bei der gleichzeitig stattfindenden prestigeträchtigen Vuelta vertreten. Geraint Thomas (Großbritannien), Tour-Sieger von 2018, ist ebenso dabei wie Frankreichs Publikumsliebling Julian Alaphilippe. „Das Rennen funktioniert so, wie es ist, wie man an der Teilnehmerliste sieht“, befand Rach.
Der Gesamtsieg ist dabei so offen wie bei wenigen Rennen. Für Bergfahrer wie Buchmann oder Thomas dürfte der Kurs nicht schwierig genug sein, stattdessen könnten Klassikerspezialisten wie Politt oder Alaphilippe ihre Chance suchen im Kampf um das leuchtend rote Trikot des Gesamtführenden..
Auch bei den deutschen Profis kommt die Wiedereinführung des Rennens nach einer fast zehnjährigen Pause bestens an. „Deutschland war immer ein Radsport-Land und ist es noch“, sagte Sprint-Routinier André Greipel, der sich vor allem auf den ersten drei flachen Etappen packende Duelle mit EM-Bronzegewinner Ackermann liefern könnte. „Meine Wattwerte sind immer noch dieselben, nur manchmal fehlt die Position. Wenn ich die Position habe, bin ich jemand, mit dem man rechnen kann“, erklärte der 37-Jährige.
Die Radsport-Szene kämpft auf dem Trip von Hannover nach Erfurt auch für ein gemeinsames Ziel. „Während der Tour de France hatten wir eine sehr große mediale Aufmerksamkeit. Wir können alle stolz sein, dass es so gut gelaufen ist. Ich hatte das Gefühl, dass die Leute auch nach der Tour sich noch dafür interessieren“, erklärte Rad-Talent Lennard Kämna, der für das kommende Rennjahr zu Bora-hansgrohe wechselt. Das soll bei der Deutschland-Tour möglichst so bleiben. dpa