Das Küken wird Punktemaschine

von Redaktion

Jennifer Geerties ist die Erfolgsgarantin der deutschen Volleyballerinnen

Bratislava – Felix Koslowski schlich sich leise von hinten an, dann klopfte der Erfolgscoach seiner Erfolgsgarantin fünfmal kräftig auf die Schulter. „Bravo, Punktemaschine“, sagte der Bundestrainer der Volleyballerinnen anerkennend und verschwand. Jennifer Geerties vernahm das Lob mit einem Lächeln.

Als die 25-Jährige nach dem 3:1-Kraftakt im vierten Gruppenspiel gegen Gastgeber Slowakei so da stand, merkte man aber auch die Anstrengung deutlich an. „Man hat schon gemerkt, dass man ein paar Spiele in den Knochen hat“, sagte sie, „Ab dem am Ende des zweiten Satzes ging es ums Überleben.“

Dass die mit einem Schnitt von 23,7 Jahren extrem junge Mannschaft nach einem kleinen Hänger doch noch den vierten Sieg schaffte, hatte vor allem mit Jennifer Geerties zu tun. Die 1,86 m große Angreiferin war mit 21 Punkten und einer überragenden Angriffsquote von 49 Prozent die große Punktelieferantin.

Geerties macht es am Netz nicht nur mit Wucht, fintenreich überlupft sie auch einfach mal den Block. Ganz nach dem Motto: Es geht auch leicht. Das war es in der Vergangenheit nicht immer für sie. 2012 stand ihre Karriere sogar vor dem Aus.

Da wurde bei der damals 18-Jährigen ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Als dann eine konservative Behandlung nicht zum Erfolg führte, drohte das Ende, bevor es so richtig begonnen hatte. „Ich habe nachts vielleicht zwei Stunden geschlafen, das war der Horror,“ berichtete Geerties, die in den letzten Zügen ihres Abiturs steckte: „Ich konnte nicht sitzen, ich musste fragen, ob ich die Klausuren im Stehen schreiben darf.“ Bis eine Operation Erlösung brachte.

Was folgte, war ein sportlicher Traum. Nur ein Jahr später holte sie als Küken der Nationalmannschaft Silber bei der Heim-EM. 2014 zog es sie in der Bundesliga zum Schweriner SC. Auch dieses Kapitel ist beendet. Geerties verdient ihr Geld nun in Italien beim Champions-League-Finalisten Volley Conegliano. Das Küken hat viel vor. Zunächst in Bratislava.  sid

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