Uli Hoeneß geht von Bord

Ein würdiger Abschied

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

An Uli Hoeneß scheiden sich schon immer die Geister. Seine Kritiker bewerten sein Auftreten in der Regel so: Zur Schau gestellte Volkstümlichkeit, Selbstherrlichkeit, Arroganz. Gestern beim Empfang des Ministerpräsidenten Markus Söder triumphierte allerdings ein anderes Gefühl: Dieser Mann hat genau diesen feierlichen Abschied verdient.

Zu groß sind seine Verdienste rund um den FC Bayern und den gesamten deutschen Fußball. Die letzten Jahre haben zweifelsohne Schatten auf seine Lebensleistung geworfen, aber sie haben nicht die Macht, seine Errungenschaften zu überlagern. So eine Persönlichkeit darf nicht nicht einfach vom Hof gejagt werden. All ihrer Verfehlungen zum Trotz.

Auf den ersten Blick verlässt mit Hoeneß bald ein gealterter Sport-Funktionär das Tagesgeschäft, der in der neuen Fußball-Welt mit ihren Giganten-Transfers und Instagram-Followern nicht mehr mithalten kann oder will. Doch ohne ihn droht der Verein, gesichtsloser zu werden und ein entscheidendes Stück seiner Identität zu verlieren. Sein auserkorener Nachfolger und Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer ist fraglos ein sehr honoriger Geschäftsmann mit hervorragenden globalen Businesskontakten. Ein Mann für das Bierzelt ist er allerdings nicht. Und Karl-Heinz Rummenigge wird es in diesem Leben auch nicht mehr. Hier schlägt aber (noch) das Herz des Vereins.

Daher muss sich der FC Bayern jetzt fragen, was für ein Verein wollen wir in Zukunft sein. Wollen wir ein Verein zum Anfassen bleiben oder wollen wir uns komplett den neuen Märkten mit noch mehr Profit verschreiben? Dann muss der FC Bayern Freundschaftsspiele wie im Trainingslager am Tegernsee gegen Rottach-Egern sein lassen. Dafür lieber noch eine weitere globale Werbetour in ferne Länder planen. Will man aber weiter diesen Verein zum Anfassen symbolisieren, braucht man Persönlichkeiten, die dieses Image auch nach draußen transportieren.

Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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