München – Vorige Saison hat der EHC München gerne gegen Yunost Minsk gespielt. Sportlich waren die Weißrussen nicht die große Herausforderung, in warmer Erinnerung blieben sie wegen ihrer Gastfreundschaft. Sie überreichten EHC-Trainer Don Jackson ein Gefäß in Form eines Bullen (was zum Münchner Red-Bull-Club passt), gefüllt mit Wodka.
Auch die Geschäftsführung der Champions Hockey League AG hat sich über die Teilnahme von Yunost Minsk gefreut. Der Verein sorgte für einen statistischen Ausreißer. In der Champions League (CHL) verzeichnete Yunost im Schnitt seiner drei Gruppenspiele (danach war Schluss) 4518 Zuschauer – gegenüber dem Wert aus der weißrussischen Liga ein Plus von 183 Prozent. Die absolute Ausnahme. Die Regel ist, dass die CHL weniger zieht als der nationale Betrieb. Beispiel München: Obwohl der EHC sich bis ins Finale durchspielte, kam er nur auf den bescheidenen Schnitt von 3159. „Von den Zuschauerzahlen“, sagt Martin Baumann, der Schweizer Chef der CHL, „haben wir Luft nach oben.“
Doch die europäische Liga, die in ihr sechstes Jahr geht, entwickelt sich. Die Vorrunde fällt teilweise noch in die Ferienzeit, das fördert den Tourismus. Heute (19.30 Uhr/Sport1 ab 20.30 Uhr)) startet der EHC München mit einem Heimspiel gegen den HC Ambri-Piotta und darf sich auf angeblich bis zu 600 Anhänger aus der Schweiz freuen. Ambri, das mit Hingabe sein Image als Bergbauerndorf pflegt, hat sich erstmals für die CHL qualifiziert, der internationale Wettbewerb wird als Bereicherung wahrgenommen.
Zehn der 32 qualifizierten Teams sind Erstteilnehmer. Aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist es der Überraschungsdritte und Playoff-Halbfinalist Augsburger Panther. Die Fans machen die erste Auswärtstour zahlreich mit. Im abgelegenen schwedischen Lulea werden heute (Sport1 live ab 17.55 Uhr) 500 Augsburger erwartet, am Samstag bei den Belfast Giants womöglich sogar 1000.
Wie lange die CHL-Begeisterung hält, ist aber nicht abzusehen. Leo Conti, früherer Nationaltorwart und heute Marketingmanager der Panther, hofft, „dass wir eines der Auswärtsspiele gewinnen“. Denn die Woche darauf kommen Lulea und Belfast nach Augsburg – und an der sportlichen Perspektive hängt dann auch der Ticketverkauf. „Die Dauerkarten gelten für die CHL nicht“, so Conti, „wenn wir über 4000 Zuschauer haben, wären wir zufrieden.“ Der Liga-Schnitt der Panther letztes Jahr betrug 5620.
Kann man an der CHL verdienen? Eher nicht. Vor allem bei den Reisen zahlen die Teilnehmer drauf, denn aus dem Zuschusstopf der CHL bekommt jeder nur 12 500 Euro. Trotzdem kann die Champions League Wachstumszahlen vorweisen seit ihrem Start im Jahr 2014. Die TV-Verbreitung ist von 28 auf 67 Länder gestiegen, das insgesamt ausgeschüttete Preisgeld von 1,5 auf 2,34 Millionen, der Sieger streicht statt einst 127 000 inzwischen 425 000 Euro ein. Gesichert ist die CHL durch den Vertrag mit Vermarkter Infront bis 2023. Dann sind für den Champion 720 000 Euro drin. Die Vorstellung der CHL-Führung geht auch dahin, das Finale nach dem Modell der Königsklasse im Fußball weit vorab an einen neutralen Ort vergeben zu können. Derzeit ist der Finalist Gastgeber, der bis zum Endspiel mehr Punkte gesammelt hat.
Die DEL liegt in der Nationenwertung hinter Schweden, Schweiz, Finnland und Tschechien auf Platz fünf. Vor allem mit Meister Mannheim und München schickt sie neben Außenseiter Augsburg zwei Schwergewichte ins Rennen, die als titelfähig gelten.
Die Spieler übrigens mögen die CHL. Wegen der Abwechslung, die sie bringt. Das Münchner Programm: Ambri-Piotta, Banska Bystrica (Slowakei), Karlstad (Schweden). Stürmer Mads Christensen: „Wir freuen uns, mal andere Stadien zu sehen als die, in denen wir jede Saison mindestens zweimal sind.“