München – Hätte sich Uli Hoeneß einen Abschied malen können, wahrscheinlich hätte er so ausgesehen: Weißblauer Münchner Sommerhimmel, eine Gartenparty im Hofgarten, Bierbänke, Freibier, Leberkäse mit Kartoffelsalat und die Bayern-Familie zum Anfassen für Fans aus dem ganzen Freistaat.
Das ist kein Hoeneßscher Sommernachtstraum, sondern genauso erlebte der Bayern-Präsident den letzten Tag bevor er seinen Rückzug aus dem Präsidentenamt des Vereins heute offiziell bekannt gibt. Eigentlich sollte die Mannschaft und ihr Double aus der vergangenen Saison die Hauptrolle beim Empfang des Ministerpräsidenten spielen. Doch als Moderator Markus Othmer die Kicker mit dem Vorstand begrüßte, skandierten die Fans prompt: „Uli, Uli!“ gefolgt von „Uli Hoeneß – unser bester Mann!“ Minutenlang wurde der 67-Jährige so bejubelt. Pikant: Direkt neben ihm auf der Treppe der Staatskanzlei stand der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Der erfuhr so aus erster Hand wie die Sympathien der Fans verteilt sind. „Kalle, Kalle“-Rufe wurden jedenfalls nicht vernommen.
Am Rande des Empfangs bestätigte Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber noch einmal, wie sehr Hoeneß die Mitgliederversammlung im November 2018 getroffen und seinen Rückzug befeuert hat. Das sei ein „ein Schock“ gewesen, so Stoiber. Zudem habe es „Zwistigkeiten“ zwischen Hoeneß und Rummenigge „in Sachen Trainer“ gegeben. Der angesprochene Niko Kovac wurde ebenfalls von den Anhängern gefeiert. Lediglich in die zweite Reihe gesellte sich Herbert Hainer – designierter Hoeneß-Nachfolger. Noch gehört die Bühne Hainers berühmtem Freund vom Tegernsee. Und noch ein Hoeneß-Spezi wurde gesichtet. Bayern-Koch Alfons Schubeck sorgte sich höchstpersönlich um das leibliche Wohl des Präsidenten und stärkte ihn mit einigen seiner Wurstsemmeln.
Wieder bei Kräften gewährte Hoeneß noch einen Blick in seine Gefühlswelt: „Das war heute ein sehr schönes Gefühl. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Das war ja auch nicht immer so“, konnte er sich ebenfalls einen Schwenk auf die schon heute legendäre Mitgliederversammlung im letzten Jahr nicht verkneifen. Bei seiner offiziellen Rede mahnte der 67-Jährige seine Gefolgschaft zur Mäßigung als Buhrufe gegen Gastgeber und Nürnberg-Fan Markus Söder aufkamen. Zum Abschluss seiner Ansprache konnte Hoeneß dann doch nicht ganz aus seiner Haut und gab noch einmal einen Spruch á la Hoeneß zum Besten: „Die Impulse in Deutschland müssen aus Bayern kommen. Sonst kommen wir in diesem Land nicht weiter. Vielen Dank.“
Hoeneß bleibt eben Hoeneß. Egal ob als Präsident – oder als Privatperson.