München – Das ganz große Ziel diese Saison? Karl-Heinz Rummenigge macht kein Geheimnis daraus. „Dieser Club lechzt nach der Champions League“, sagte der Vorstandsboss des FC Bayern noch vor Beginn der Saison. Der Rucksack von Trainer Niko Kovac wird dadurch nicht leichter, Fakt ist aber auch: Im Konzert der ganz Großen in Europa spielen die Bayern mittlerweile nur noch eine kleine Geige. Sechs Jahre ist das Triple mittlerweile her, vergangenes Jahr war gegen Liverpool sogar schon im Achtelfinale Schluss. Um wieder ernsthaft nach dem Henkelpott zu greifen, hat man an der Säbener Straße daher keine Kosten und Mühen gescheut. Für die Neuzugänge Hernandez, Pavard, Arp, Perisic, Cuisance und Coutinho hat der FC Bayern knapp 150 Millionen Euro locker gemacht und hofft nun heute auf Losglück (18 Uhr, Eurosport, Sky Sports News HD). Es droht eine Hammergruppe mit Real, Inter und Galatasaray. Wie die Konkurrenz aufgestellt ist, lesen Sie hier:
FC Liverpool
Never change a winning team! Jürgen Klopp macht einen der Leitsätze antiker Fußballkultur wieder salonfähig, das zeigt zumindest der Blick auf die diesjährigen Transferaktivitäten des CL-Siegers. Knapp zwei Millionen Euro für das 17-jährige Holland-Talent Sepp van den Berg haben die Reds ausgegeben – mehr nicht. Der bisherige Saisonstart gibt Klopp recht: Drei Spiele, drei Siege, Tabellenplatz eins! Wie schon vergangene Saison ist vor allem das Dreiergespann Salah-Firmino-Mané im Angriff zu fürchten, hinten hält van Dijk den Laden dicht. Das Ziel: die Titelverteidigung!
Juventus Turin
Wer an die Alte Dame denkt, denkt zwangsläufig an Cristiano Ronaldo. CR7 ist bei den Bianconeri freilich wieder mit von der Partie und greift nach CL-Titel Nummer sechs. Dass Juve längst nicht nur Ronaldo ist, zeigt aber der Blick auf die Ersatzbank vergangenen Samstag gegen Parma. Dort nahmen Buffon, Danilo, de Ligt, Demiral, Bentancur, Can, Rabiot, Bernardeschi, Cuadrado, Dybala und Mandzukic Platz – spricht für die Ausgewogenheit des Turiner Kaders. Dybala spielt unter Neu-Trainer Maurizio Sarri keine Rolle mehr, weshalb ein Abgang des Argentiniers nicht auszuschließen ist. CR7 und der Rest bleiben – und wollen den Titel.
Tottenham
Von einem Geheimfavoriten kann beim letztjährigen Finalisten nicht mehr die Rede sein. Der Blick auf die Neuzugänge der Spurs verstärkt diesen Eindruck: 60 Millionen Euro für Lyon-Regisseur Ndombélé, 27 für Fulham-Juwel Sessegnon sowie ein rund 60 Millionen schweres Paket für die Leihe samt Kaufoption von Betis-Durchstarter Lo Celso machen aus der Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino einen ernsthaften Titelkandidaten. Vier Punkte aus den ersten drei Spielen in der Premier League haben die Anfangseuphorie etwas gedämpft, die Offensive um Dele Alli, Kane und Son kann jedoch jede Abwehr das Fürchten lehren.
Real Madrid
Ging es bei einem Club in der Vorbereitung drunter und drüber, dann bei Real. Der 120-Millionen-Transfer von Chelsea-Star Eden Hazard sollte die titellose Saison 18/19 schnell vergessen machen, bei den 14 Kilo Übergewicht des Belgiers zum Start in die Vorbereitung war die Euphorie aber schnell wieder verflogen. Ganz weg war sie spätestens nach der 3:7-Testkickschmach gegen Atlético, für die es Spott hagelte in der spanischen Presse. In La Liga läuft es nicht viel besser, am Samstag gab es ein maues 1:1 daheim gegen Valladolid. Dass der dreizehnfache CL-Sieger ein Faible für den Henkelpott hat, dürfte jedoch nicht neu sein.
FC Barcelona
Die Katalanen sind natürlich auch in diesem Jahr einer der Favoriten. Das Starensemble um Messi wurde in diesem Sommer mit Hochkarätern wie Griezmann oder de Jong ergänzt. Sollte die Seifenoper um Neymar ebenfalls zugunsten von Barca ausfallen, könnte einem beim Blick auf die mögliche Startelf schnell schwindelig werden. Dass Namen aber auch nicht alles sind, stellte Liverpool im letztjährigen Halbfinale unter Beweis. Das Wunder von Anfield (4:0 nach 0:3) sitzt noch tief. Und auch das 0:1 gegen Bilbao zum Liga-Auftakt zeigt: Barca ist schlagbar!
Paris Saint-Germain
Die Pariser Geldverbrennungsanlage ist auch wieder mit von der Partie. Über eine Milliarde hat der Scheich seit 2011 in das Projekt Champions League gesteckt – davon jeweils über 200 Millionen Euro in Neymar und Mbappé – weiter als bis ins Viertelfinale hat es seitdem aber nicht gereicht. Die große Frage: Bleibt Neymar? Oder flüchtet er zu Real, Barca oder Juve? Einer der Leidtragenden der Seifenoper um den Brasilianer ist Trainer Thomas Tuchel, der seinen Superstar nicht aufstellen darf, bis dessen Zukunft geklärt ist. Dank der Verpflichtungen von Sarabia aus Sevilla, Herrera aus Manchester und Gueye vom FC Everton wäre der Ausfall immerhin verschmerzbar. Und wer weiß: Vielleicht klappt es ohne Neymar ja über das Viertelfinale hinaus.
JOSÉ CARLOS MENZEL LOPEZ