Stebe versöhnt sich mit sich selbst

von Redaktion

Münchner übersteht nach langer Verletzungspause mal wieder eine Runde bei einem Grand Slam – auch Struff siegt

VON DORIS HENKEL

New York – Es gibt die Siege auf den großen Plätzen mit 20 000 Zuschauern drum herum und jene auf den kleinen vor 200 Seelen, doch was hat das am Ende mit der Bedeutung zu tun? Als der Münchner Cedric-Marcel Stebe in der ersten Runde der US Open auf Court 4 am Rande der Anlage seinen Matchball verwandelte, hätte eine Fanfare erklingen müssen. Nach allem, was dieser Mann hinter sich hat mit einer kaum glaublichen Serie von Verletzungen und Verletzungspausen. Die letzte Auszeit wegen einer Operation am Handgelenk dauerte mehr als ein Jahr, in der Weltrangliste steht er dieser Tage auf Platz 256 und könnte er nicht wegen seiner Verletzungspause ein so genanntes „protected ranking“ in Anspruch nehmen, dann könnte er bei den US Open ebenso wenig spielen wie bei anderen größeren Turnieren in diesem Jahr. „Ich weiß nicht, ob ich es ohne dieses protected ranking noch mal versucht hätte“, gab er nach einem Sieg in vier Sätzen gegen den Serben Filip Krajinovic zu bedenken . „Aber ich muss einfach das Beste daraus machen, und wenn ich am Ende sagen kann, ich hab alles versucht, dann bin ich auch happy, wenn ich irgendwann aufhöre.“

In Melbourne, Paris und Wimbledon hatte er jeweils in der ersten Runde verloren, diesmal kam er durch, und welche Bedeutung dieser erste Sieg im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers für Stebe hat, kann man auch daran ablesen, dass es nach all den Jahren erst der vierte seiner Karriere war. Die ersten beiden liegen sieben Jahre zurück, der dritte stammt von den US Open 2017, und er hatte vor allem nach der letzten Operation Zweifel, ob es noch einen vierten geben würde. Viele hätten wahrscheinlich das Handtuch geschmissen, sagt Stebe, aber er sei sehr froh, es noch mal versucht zu haben. Fortsetzung folgt, heute im Spiel der zweiten Runde gegen den Sieger der US Open 2014, Maric Cilic.

Stebes Freude über den Start in die US Open gehört wegen der Vorgeschichte sicher in eine besondere Kategorie. Ähnlich wie der Fünf-Sätze-Zittersieg von Alexander Zverev gegen Radu Albot. Wie man zügig, konsequent und auf geradem Weg in drei Sätzen gewinnt, das demonstrierte dagegen der deutsche Kollege Jan-Lennard Struff, der weiter verlässlich gut in Form ist. Der aber nun weiß, dass er jedes Pfund seines sichtbar gewachsenen Selbstvertrauens in der nächsten Partie brauchen wird, heute gegen John Isner. An die bisherigen drei Begegnungen mit dem baumlangen Amerikaner hat er folgende Erinnerungen: Beim ersten Mal vor fünf Jahren in New York sei er chancenlos gewesen, beim zweiten hätte er ihn schlagen müssen, und auch der dritte Versuch sei ziemlich eng ausgegangen.

Doch auch die beiden letzten Begegnungen der beiden liegen schon drei Jahre zurück, und Struff ist seither sicher ein besserer Spieler geworden. Dass John Isner in seinem Spiel einen allerallerbesten Freund hat, der ihn eigentlich fast nie im Stich lässt, ist bekannt. Doch Struff erinnert daran, nur mit einem gigantischen Aufschlag qualifiziere sich keiner für die ATP-Finals, und das habe Isner ja im vergangenen Jahr geschafft.

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