München – Vorige Saison stand der EHC München im Finale der Champions Hockey League (CHL), doch es wird kein Selbstläufer sein, durch diese Vorrundengruppe des neuen Spieljahres zu kommen, in der noch Banska Bystrica aus der Slowakei und Färjestads Karlstad aus Schweden warten. Ihr Auftaktspiel gegen den HC Ambri-Piotta aus der Schweiz gewannen die Münchner am Donnerstagabend zwar 3:0 (1:0, 1:0, 1:0), hatten dabei aber alle erdenkliche Mühe. Und jede Menge Glück. Sowie wenigstens eine funktionstüchtige kanadische Sturmreihe um die Torschützen Derek Roy und Trevor Parkes (2).
München erlebte einen ungewöhnlichen Eishockey-Abend. 4210 Zuschauer sind ein stattlicher Besuch an einem August-Sommerabend, der sich nicht nach Eishockey und Wintersport anfühlt. Die Halle am Oberwiesenfeld war gut besucht dank der Kundschaft aus Ambri-Piotta, die ihr Team zum ersten Champions-League-Auftritt der Vereinsgeschichte begleitete. Die Gästekurve war rappelvoll – und wurde zum Stimmungszentrum in der Halle.
Die Herren aus der Schweiz, allesamt bekennende Ultras, sangen und hüpften oberkörperfrei, sie schwenkten eine Fahne, die für jedes deutsche Fußballstadion zu groß wäre, und auch das Che-Guevara-Banner hatten sie dabei. Ambri-Fans gelten als feurig, deswegen war auch ein sichtbares Polizeiaufgebot im Münchner Olympiapark. Zu Beginn des zweiten Drittels schließlich auch noch ein Kommerzprotest des Ambri-Anhangs. „Ihr macht unseren Sport kaputt – Scheiß Red Bull“, stand auf einem Plakat, das entrollt wurde. Im (deutschen) Eishockey gibt es keine so offensive Positionierung der Fanszenen gegen das Projekt wie im Fußball rund um RB Leipzig. Konter der EHC-Kurve: „Wenn wir wollen, kaufen wir euch auf.“
Zum Spiel: Die Schweiz steht in der CHL-Ligen-Rangliste auf Platz zwei, die DEL auf fünf. Auch ein Team wie Ambri-Piotta, das noch nie Landesmeister war, hat also seine Klasse – das wurde in München bewiesen. 22:10 Torschüsse für die Auswärtsmannschaft – ein solches erstes Drittel erlebt der EHC München so gut wie nie in der heimischen Liga. Ambri mit dem ehemaligen Ingolstädter Robert Sabolic (Meister 2014) setzte dem deutschen Vizemeister zu. Dessen Torhüter Danny Aus den Birken stand auch im zweiten Durchgang im Blickpunkt. Bei einigen Pfostenschüssen von Ambri war er im Glück.
Beim EHC, für den Trainer Don Jackson als vierten Sturm die Youngster Peterka, Schütz und Daubner aufgeboten hatte (Christensen und Eder fehlten), passte es in der Reihe mit Trevor Parkes und den NHL-erfahrenen Zugängen Derek Roy und Chris Bourque. Roy (13 Sekunden vor Schluss des ersten Drittels) und Parkes (36./60, ins leere Tor) setzten ihre Treffer in Ambri-Hochphasen.
Im anderen Gruppenspiel besiegte Karlstad Banska Bystrica (kommt am Samstag nach München) 6:1. Das Ergebnis in der CHL, das die größte Aufmerksamkeit auf sich zog, war der 3:2-Penalty-Sieg von Augsburg beim schwedischen Topteam Lulea. Das Münchner Social-Media-Team gratulierte mit einem nach oben gereckten Daumen.