IM BLICKPUNKT

Tönnies: Kein Verfahren – aber ein Tadel

von Redaktion

Clemens Tönnies erzählte von seinem Afrika-Engagement, er äußerte tiefes Bedauern, und am Ende hatte der Schalke-Boss die Ethikkommission des DFB überzeugt: Der umstrittene Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten kommt nach seinen rassistischen Aussagen auch von Verbandsseite weitgehend unbeschadet davon. Ein Verfahren vor der Ethik-Kammer des DFB-Sportgerichtes wird es nicht geben, die Kommission attestierte dem 63-Jährigen „tätige Reue“.

Tönnies habe schlüssig vermitteln können, kein Rassist zu sein, teilte das vierköpfige Gremium gestern mit. Gleichzeitig missbilligte die Kommission den Satz des 63-Jährigen, der am 1. August für viel Wirbel gesorgt hatte. Bei einer Festveranstaltung zum „Tag des Handwerks“ in Paderborn hatte sich Tönnies eine verbale Entgleisung geleistet. Er empfahl die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Die Ethikkommission wertete die Einordnung der Aussage als „rassistisch“. Auch handele es sich um einen Verstoß gegen die Grundsätze des DFB, der „Rassismus und Diskriminierung als nicht vereinbar mit den Werten des Fußballs“ ablehnt. Tönnies’ Satz wäre somit „zumindest geeignet, rassistisches Gedankengut an anderer Stelle zu unterstützen.“

Ein Ermittlungsverfahren, um Anklage gegen Tönnies zu erheben, wird es dennoch nicht geben. Der Schalke-Boss habe bei der „eingehenden Anhörung und Befragung“ ehrliche Reue gezeigt. „Seine Distanzierung von seiner Äußerung und sein Erschrecken darüber sind der Kommission glaubhaft“, hieß es in der Begründung.

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