Und ewig gockeln die Alphatiere

von Redaktion

Uli Hoeneß zieht sich als Bayern-Präsident zurück – hat seine Truppen aber in Stellung gebracht

VON DANIEL MÜKSCH

München – Gerüchte sind am spannendsten, wenn sie pikant sind. Und wahr. Bestätigt dann noch ein Insider delikates Hörensagen, liegen die Zutaten für eine wunderbare Geschichte auf dem Tisch. „Niko Kovac ist der Wunschtrainer von Uli Hoeneß. Nachdem Thomas Tuchel nicht mehr verfügbar war und Jupp Heynckes abgewunken hatte, boxte der Bayern-Präsident ihn gegen die Meinung von Karl-Heinz Rummenigge durch.“ So lautete ein Gerücht rund um die Säbener Straße. Seit diesem Mittwoch ist die Vergangenheitsform dafür korrekt, denn: Es handelt sich um kein Gerücht mehr.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach beim Bayern-Empfang im Münchner Hofgarten beiläufig von „Zwistigkeiten“ zwischen Präsident und Vorstandsboss „in Sachen Trainer“.

Einen Tag nach der Stoiber-Bestätigung versucht Bayern-Trainer Niko Kovac dem Thema nicht zu noch mehr Prominenz zu verhelfen. „Nein“, lautet seine knappe Antwort auf die Frage, ob er von jenen Zwistigkeiten der Alphatiere zwecks seiner Person etwas mitbekommen habe. Sein Lächeln nach der Antwort lässt allerdings erahnen, dass hier der ehemalige Defensiv-Spezialist aus ihm spricht und nicht seine Leidenschaft für ehrliche Worte. Offener präsentiert sich der 47-Jährige, als er sein Verhältnis zu Uli Hoeneß beschreibt: „Ich habe mit ihm ein wirklich sehr, sehr gutes Verhältnis. Ein inniges, ja freundschaftliches Verhältnis. Wir haben einen regen Austausch. Nicht nur für mich, sondern für den Klub ist er eine Person, die jeder braucht.“ Kovac besonders. Manche sprechen gar von seiner Lebensversicherung, die ihm mit dem Rückzug von Uli Hoeneß abhandenkommt. Dass er auf ihn aber auf jeden Fall verzichten muss, daran besteht nun auch offiziell kein Zweifel mehr. Nachdem er den Aufsichtsrat gestern von seinen Plänen informiert hatte, teilte der Verein mit, dass Hoeneß nicht noch einmal als Bayern-Präsident kandidieren werde. Im Aufsichtsrat möchte der 67-Jährige allerdings bleiben. Heute wird sich Hoeneß bei einer Pressekonferenz persönlich dazu äußern.

Momentan ist das Abdanken des Bayern-Patriarchen – verbunden mit dem Machtverlust – zwar in aller Munde. Betrachtet man die Vorgänge beim FC Bayern jedoch genau, könnte sein Einfluss schon bald wieder stark wie eh und je sein. Mindestens. Hoeneß hat seine Gefolgschaft nämlich geschickt in Position gebracht.

Mit Herbert Hainer steht ein Nachfolger parat, der Hoeneß als echten Freund bezeichnet. „Wir ticken in vielen Dingen sehr ähnlich“, beschrieb der 65-jährige Hainer einst in einem Interview die Beziehung zu seinem „Freund Uli“. Und Hainer wurde sogar pathetisch: „Ein Freund, mit dem man weinen kann, ist viel wert.“

Als 2006 eine der beiden Töchter von Hainer unter tragischen Umständen an einer Lungenembolie stirbt, steht Hoeneß ihm und seiner Familie bei. Andersherum verhält es sich, als Hoeneß ins Gefängnis muss. Hainer ist da – besucht ihn als einer der Ersten im Gefängnis. Mit Oliver Kahn befindet sich ein weiterer Hoeneß-Intimus in den Startlöchern und greift nach Verantwortung beim Rekordmeister. Auch für Kahn hatte Hoeneß kräftig die Werbetrommel gerührt. Mit Erfolg: Die Torwart-Legende soll Karl-Heinz Rummenigge spätestens 2022 als Vorstand beerben. Dann könnte der FC Bayern so aussehen: Präsident des Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender – Herbert Hainer. Vorstandsvorsitzender – Oliver Kahn. Im Aufsichtsrat – Uli Hoeneß.

Und plötzlich muss Niko Kovac beim Blick in die Zukunft gar nicht mehr ganz so bange werden.

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