Shenzhen – Seine Rolle kennt Johannes Voigtmann ganz genau. „Ich versuche, das zu machen, was nötig ist, damit andere Leute gut aussehen“, sagt der Thüringer. Voigtmann spielt gern uneigennützig, und er spielt den Basketball gern ab – bei seinem WM-Debüt glänzte der Center aber vor allem als Werfer. 25 Punkte, fünf erfolgreiche Dreier, nur zwei Fehlversuche aus dem Feld. Voigtmann war der Lichtblick an einem ganz bitteren Abend.
Dass der vielseitige Hüne am Ende als Topscorer des deutschen Nationalteams im Statistikbogen stand, bedeutete ihm gar nichts. „Das tröstet mich null“, sagte der 26-Jährige aus Eisenach, das 74:78 (20:36) im Auftaktspiel gegen Frankreich hatte Spuren hinterlassen. Doch Voigtmann bewies eindrucksvoll, warum er in den kommenden beiden Jahren für EuroLeague-Champion ZSKA Moskau auflaufen darf.
Während NBA-Profis wie Maxi Kleber (Dallas Mavericks) und Daniel Theis (Boston Celtics) im Schlüsselspiel gegen die Franzosen schwächelten, lieferte Voigtmann vor allem von der Dreierlinie und glänzte außerdem wie so oft als „Butler“. Dem früheren Frankfurter gelangen vier Assists, unter anderem der zum 74:76 sieben Sekunden vor Schluss durch den ebenfalls enttäuschenden Paul Zipser (FC Bayern).
„Er hat sicher eine großartige Entwicklung genommen“, sagte Bundestrainer Henrik Rödl über seinen Größten (2,11 m): „Er hat den ganzen Sommer schon sehr, sehr gut gespielt.“ Und so war es überhaupt keine Überraschung, dass Voigtmann selbst Starspieler Dennis Schröder (23 Punkte) im Scoring übertraf. Rödl: „Er war der, der das Spiel offensiv verändert hat.“
Joe Voigtmann, der als Kind und Jugendlicher Handball spielte, ärgerte sich über die verpasste Chance nach einem schweren Fehlstart. „Wir haben die Sachen gemacht, die wir machen wollten. Wir haben es nur ohne Überzeugung gemacht“, erklärte der 63-malige Nationalspieler und hofft auf Besserung: „Wir müssen jetzt entscheiden, ob wir das Gesicht zeigen wollen, das wir Anfang der ersten und zweiten Halbzeit gezeigt haben – oder das andere. Wenn wir das andere zeigen, dann haben wir immer noch eine Chance, hier was zu reißen.“
Mit einer Menge Optimismus war Voigtmann ins Turnier gegangen. „Wenn jeder sein Ego zurückschraubt, können wir richtig was schaffen“, sagte er zuletzt, „wir schielen auf die Olympia-Quali. Dafür müssen wir sicher durch die erste Runde kommen.“ Gewinnt das DBB-Team gegen die Dominikanische Republik und Jordanien, reicht es für die zweite Gruppenphase. Dann wäre ein Platz bei einem Qualifikationsturnier für Tokio 2020 sicher.
Wenn die WM vorbei ist, geht es nach drei Jahren bei Laboral Kutxa Vitoria/Spanien nach Russland. „Ich brauchte irgendwie mal einen Wechsel. Als das Angebot von Moskau kam, fühlte ich mich natürlich geehrt“, so Voigtmann. „Sie haben eine Kultur, in der es immer ums Gewinnen geht. Das ist eine Situation, in der man gern sein möchte.“ sid