Schmerzen? Angst? Alles abgehakt

von Redaktion

Der EHC München kann sich des Wiedermitwirkens seiner Abwehr-Leitfigur Kony Abeltshauser erfreuen

VON GÜNTER KLEIN

München – Vergangene Woche hat der EHC München in der Eishockey-Champions League (CHL) 3:0 gegen den Schweizer Club HC Ambri-Piotta gewonnen, was klingt, als wäre er in der Defensive absolut stabil gewesen. Das war er nicht, der Gegner traf fünfmal den Pfosten.

Konrad Abeltshauser sagt, er habe mal einen Torwart in der Mannschaft gehabt, der einen Pfosten- oder Lattenschuss einfach zu seinen Gunsten uminterpretierte. „Der hat gesagt: ,Ich habe das Tor so gut zugemacht, dass der Gegner nur an den Pfosten hat schießen können.’“

Ein glückliches 3:0 über Ambri-Piotta, ein unangefochtenes 3:0 über Banska Bystrica aus der Slowakei, der eine Sieg mit Danny Aus den Birken, der andere mit Kevin Reich im Tor erzielt – der EHC München hat in der Gruppenphase der Champions League den richtigen Kurs eingeschlagen, am Donnerstag (Banska) und Samstag (Ambri) stehen auswärts die Rückspiele an, bei idealem Verlauf kann das Achtelfinale bereits vor dem Spielen gegen Färjestads Karlstad (im Oktober) erreicht sein.

Doch nicht weniger wichtig als der Erfolg auf europäischer Bühne ist dem EHC die Erkenntnis, dass Konrad „Kony“ Abeltshauser wieder gesund und belastbar ist. Im März war er in den Playoffs gegen die Eisbären Berlin am Knie verletzt worden, zu seinem Glück kein Kreuzbandriss, doch man wusste nicht, ob er zur neuen Saison dabei sein könnte.

Früh ist Abeltshauser ins Training zurückgekehrt, der erste Trainingsreiz war mit Mannschaftskollegen eine Montainbike-Alpenüberquerung, eine akzeptable Belastung für das Knie. Bei den Skating-Camps in Liefering ging er aufs Eis, und die letzte Bestätigung, dass er die Verletzung hinter sich lassen könne, brachte ihm das erste Testspiel beim SC Riessersee. München und SCR sind über eine Kooperation verbandelt. „Die haben aufgepasst auf mich.“ Er konnte in sich hineinhorchen, Schmerzen? Angst, hinzugehen? Nein. Mit diesem Spiel war die Verletzung „mental abgehakt“. Die beiden Matches beim Salute-Turnier in Kitzbühel (gegen IFK Helsinki und Malmö) dienten dann schon dazu, sich mit seinem neuen Nebenmann einzuspielen.

Der Kanadier Blake Parlett , von den in der russischen KHL mitspielenden Kunlun Red Star aus China gekommen, geht mit Abeltshauser als Abwehrpartner aufs Eis. „Nur im Powerplay müssen wir uns kurz trennen“, sagt der Bayer. Trainer Don Jackson schätzt an Parlett die körperliche Präsenz „und dass er den Puck im Überzahlspiel gut bewegt“. Über Abeltshauser sagt er: „Ich denke, er ist noch stärker als vor seiner Verletzung.“

Der EHC ist heilfroh, Abeltshauser wieder im Aufgebot zu haben. Der seit gestern 27-Jährige ist der offensivstärkste Verteidiger des Teams, ein freundlicher Öffentlichkeitsarbeiter, den man immer vor die Kamera schicken kann, er erreicht als Tölzer die oberbayerische Zielgruppe.

Und wer kann schon so amüsante Geschichten erzählen wie die vom Torwart, der sich mit jedem Pfostenschuss ein bisschen stärker redet?

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