Kahn ergreift die Macht

von Redaktion

Der FC Bayern ab 2022: Der designierte Vorstandsvorsitzende profitiert von Hoeneß-Vakuum

VON MANUEL BONKE

München – Die turbulenten Wochen in München sind fürs Erste vorbei: Das Transferfenster ist seit Montag geschlossen, der Rücktritt von Uli Hoeneß als Bayern-Präsident und die Berufung von Oliver Kahn in den Vorstand der FC Bayern München AG ab 1. Januar 2020 wurden offiziell verkündet. Trainer Niko Kovac nutzte die etwas ruhigere Länderspielpause für ein wenig Freizeit und war gestern nicht beim freiwilligen Training von Jerome Boateng am Platz.

Keine Zeit für Erholung hat hingegen Kahn. Wie unsere Zeitung erfuhr, weilt der designierte Vorstandsvorsitzende der Bayern nicht in München, sondern hält sich aus beruflichen Gründen im Ausland auf. Zur Erinnerung: Kahn ist noch bis Ende 2019 Geschäftsführer seiner Firma Goalplay und bleibt danach als Gesellschafter weiter in die Aktivitäten des Unternehmens involviert. Ob der 50-Jährige trotzdem bereits an seinem neuen FC Bayern feilt? Vermutlich schon. Das Erbe freilich wird kein leichtes sein. Gestern vermeldete Finanzchef Jan-Christian Dreesen bei „n-tv“ einen erneuten Rekordumsatz. 750 Millionen Euro habe der Club im vergangenen Geschäftsjahr umgesetzt.

Wie der Rekordmeister unter Kahn in Zukunft aussieht? Wir blicken schon mal auf das Jahr 2022 voraus, wenn der langjährige Kapitän den Vorstandsvorsitz der FC Bayern München AG von Karl-Heinz Rummenigge übernimmt (siehe Grafik).

Eines vorweg: Kahn wird im Vergleich zu Rummenigge deutlich mehr Macht als Bayern-Boss haben. Das liegt in erster Linie daran, dass Uli Hoeneß sich im November nicht mehr zur Wiederwahl als Vereinspräsident stellt und somit auch nicht mehr das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden ausführen wird. Hoeneß wird lediglich als einfaches Mitglied im Aufsichtsrat bleiben.

Die mächtigen Ämter übernimmt der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer. Der wird sich – anders als Hoeneß – nicht ins operative Geschäft der AG einmischen und auch nicht bei sportlichen Entscheidungen wie der Trainerfrage in dem Umfang mitbestimmen, wie es Hoeneß stets tat. Dafür fehlt Hainer das fußballerische Fachwissen auf höchstem Niveau.

Damit Kahn nicht zum Alleinherrscher in sportlichen Angelegenheiten wird, könnte zeitnah wieder der Posten des Sportvorstandes beim Rekordmeister eingeführt werden. Das aktuelle Führungsduo Rummenigge/Hoeneß ist nach wie vor davon überzeugt, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic das Zeug für diese Position hat. Dessen Vertrag als Sportdirektor läuft ohnehin im Sommer nächsten Jahres aus, eine gute Möglichkeit also, ihn als Sportvorstand zu installieren. Salihamidzic erklärte jüngst im Fachblatt „kicker“: „Ich fülle schon jetzt als Sportdirektor das Aufgabenfeld eines Sportvorstandes aus.“

Nur als Sportvorstand könnte Salihamidzic auch wirklich mit Kahn auf Augenhöhe diskutieren. „Es wird sicherlich in den nächsten Monaten bis zur Hauptversammlung noch eine Aufsichtsratsitzung gegeben. Da wird darüber gesprochen, ob er Sportvorstand wird oder nicht“, sagte der scheidende Hoeneß kürzlich.

Artikel 1 von 11