Hamburg – Das lässt Emre Can nicht so leicht auf sich sitzen. Nach seiner Nicht-Nominierung für den CL-Kader von Juventus Turin verpasste der 25-Jährige seinem Arbeitgeber die verbale Breitseite und hat die Verantwortlichen bei der „Alten Dame“ hart attackiert. „Das ist schockierend für mich, vor allem weil man mir letzte Woche noch etwas anderes versprochen hatte“, sagte Can gestern im Kreis der Nationalmannschaft in Hamburg.
Gerade Juve-Trainer Maurizio Sarri bekam sein Fett weg: „Ich habe ein Telefonat vom Trainer bekommen, das weniger als eine Minute gedauert hat und in dem man mir keine Begründung genannt hat. Ich werde die Konsequenzen ziehen und mit dem Verein reden, wenn ich wieder zurück bin“, polterte Can.
Besonders bitter: Der gebürtige Frankfurter verließ sich auf das Wort der Italiener und wechselte daher nicht zu PSG. „Da war was dran“, erklärte der Mittelfeldspieler zu den Wechselgerüchten. Und weiter: „Mein Berater und ich hatten Gespräche mit Vereinen, sind aber zu dem Entschluss gekommen, dass ich bleibe. Für mich war die Bedingung, dass ich in der Champions League dabei bin. Das hatte man mir auch versichert. Und einen Tag nach Transferschluss teilt man mir mit, dass ich nicht dabei bin. Ich bin einfach nur sauer und wütend, wie man mit mir umgeht.“ Sieht ganz danach aus, als ob das Kapitel Juventus Turin für Can bereits im Winter zu Ende gehen könnte. Die Degradierung trifft ihn doppelt. Einerseits ist die Königsklasse für Italiens Serienmeister der Wettbewerb schlechthin. Und auch mit Blick aufs Nationalteam für die EM 2020 trifft Can die Ausbootung. „Ich muss in der Champions League spielen, ich will in der Champions League spielen. Das ist für mich sehr, sehr wichtig“, beklagte er.
Alle direkten DFB-Konkurrenten sind in der Königsklasse, die für Bundestrainer Joachim Löw ein wichtiges Nominierungskriterium ist, dabei: Toni Kroos (Real Madrid), Ilkay Gündogan (Manchester City), Joshua Kimmich, Leon Goretza (beide FC Bayern).
Er habe sich extrem gefreut, als ihn Löw vor einer Woche anrief und mitteilte, dass er endlich wieder dabei sein darf. Can ist ein anderer Spielertyp als Kroos, Gündogan oder Kimmich. „Er ist ein guter Balleroberer, er spielt mit einem großen physischen Einsatz, mit viel Körperlichkeit, er hat eine Ruhe am Ball“, beschrieb Löw.
Can reiste hoch motiviert aus Turin an. „Ich will hier den nächsten Schritt machen. Ich will Verantwortung übernehmen, Leistung auf dem Platz zeigen und wichtig für die Mannschaft werden“, verkündete er. Trotz des Juve-Frusts will er seinen „Fokus“ ganz „auf die zwei großen Spiele“ gegen Holland und Nordirland richten: „Ich werde versuchen, den Leuten, die nicht an mich geglaubt haben, zu beweisen, dass ich dabei sein müsste in der Champions League.“
Von Juve-Kollege Sami Khedira kam eine aufmunternde Handy-Botschaft in Hamburg an, verriet Can: „Er kann es auch nicht verstehen. Er hat einfach nur gemeint, Kopf hoch, Junge!“ lop