Debakel bei der Basketball-WM

Der Absturz war kein Betriebsunfall

von Redaktion

BERND BRUDERMANNS

Die gute Nachricht vorweg: Trotz des peinlichen Auftretens der deutschen Basketballer im zweiten WM-Spiel gegen die Dominikanische Republik ist die Olympia-Teilnahme noch möglich. Erstens könnte sogar Platz 23 in China noch zur Teilnahme an einem der Qualifikationsturniere reichen, zweitens werden zwei europäische Teams auch ohne sportliche Qualifikation zu einem dieser Turniere eingeladen.

Damit allerdings hätten sich die guten Nachrichten aus Shenzhen erschöpft. Beim Vorrundenspiel heute gegen Jordanien geht es nicht nur darum, mit einem Sieg Punkte und Selbstvertrauen für die Platzierungsrunde zu tanken. Spätestens jetzt muss der Neustart in Richtung Olympia und Heim-EM 2021 erfolgen. Denn die WM war kein Betriebsunfall. Schon die totale Fixierung auf Dennis Schröder war zumindest fragwürdig. Einen Plan B jedenfalls hatte Deutschland nicht, auch wenige, die Verantwortung übernehmen wollten.

Das hätte man spätestens nach der Testspielniederlage gegen Japan erkennen können. Aber mit dem Sieg in der Generalprobe gegen – allerdings vom 21-Stunden-Flug geschlauchte Australier – schien ja wieder alles in Ordnung. Ein Trugschluss.

Rebounds und Defensivverhalten sind (so lehren es Basketball-Trainer) keine Frage der Auf-, sondern der Einstellung. Und wenn das, was die Nationalmannschaft gegen die Dominikaner bot, schon das Maximum an Einstellung und Wille ist, dann allerdings hat der deutsche Basketball ein Problem.

Auch Henrik Rödl von Verantwortung freizusprechen, wäre ein Fehler. Ja, der Bundestrainer ist ein Player’s Coach, der Spielern viel Verantwortung und viele Freiheiten gibt. Vielleicht wäre ein strengeres Regiment, wie es so manche aus den osteuropäischen Trainerschulen pflegen, hier besser gewesen. Viele sagen, der Druck sei zu groß gewesen, schließlich hätten viele diese Mannschaft schon zum Medaillenanwärter gekürt. Doch allein der Stempel NBA-Spieler reicht nicht mehr aus, um bei einer WM als Halbfinalist gehandelt zu werden.

Die deutschen Basketballer haben in China eine Chance, ihren Sport weiter voranzubringen, leichtfertig weggeworfen. Der Imageschaden ist groß, aber nicht irreparabel. Wenn man die richtigen Schlüsse zieht. Einfach weiter so ist jedenfalls keine Option.

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