München – Am Tag danach marschierte der Anführer dann doch voran. Dennis Schröder sprach und was der Spielmacher der deutschen Basketballer zu sagen hatte, das passte zur trüben Stimmung im Regen über Shenzen. Schröder hatte beim 68:70-Debakel gegen die Dominikanische Republik nun auch noch atmosphärische Störungen in der, zuvor so für ihre Teamchemie gelobten deutschen Mannschaft ausgemacht. „Die Gegner hatten mehr Energie als wir“, sagte der 25-Jährige, „ihre Bank habe ich gesehen, die waren immer happy füreinander. Wir haben das leider nicht so getan.“
Direkt nach dem schlimmen Auftritt gegen den Karibikstaat hatte im deutschen Lager noch Sprachlosigkeit geherrscht. Sogar zur Pressekonferenz war kein Spieler erschienen. Das wird dem Deutschen Basketball Bund (DBB) neben dem sportlichen Desaster auch noch eine Geldstrafe einbringen. Und nun? Stimmte auch Bayern-Kapitän Danilo Barthel ein: „Das Gefühl des hundertprozentigen Willens ist irgendwie nicht aufgekommen“, sagte der Münchner, „Ich glaube, dass jetzt eine Reaktion kommen muss.“
Drei Spiele hat man in China immerhin noch vor der Brust. Heute (10.30 Uhr/Magentasport) die letzte Vorrundenpartie gegen Jordanien. Am Samstag und Montag die Platzierungsspiele gegen Kanada und den Senegal. Zumindest eine Art Mini-Wiedergutmachung würde man hier schon gerne betreiben. Mit drei Siegen hätte die DBB-Auswahl zumindest die Eintrittskarte für ein Olympia-Qualifikationsturnier im kommenden Sommer gelöst. Was Schröder zum Pflichtstück erklärte: „Wir müssen auf jeden Fall einen Weg finden, damit wir alle noch einmal an einem Strang ziehen und jetzt wenigstens die Aufgabe erfolgreich lösen.“
Die Frage nach Konsequenzen wies man im deutschen Lager erst einmal noch weit zurück. Auch der Bundestrainer hat trotz des krachenden Scheiterns nichts zu befürchten. „Es wird keinen Wechsel geben. Henrik Rödl steht nicht zur Disposition“, stellte DBB-Chef Ingo Weiss unmissverständlich klar. Der 50-Jährige steht noch bis nach der Heim-Europameisterschaft 2021 unter Vertrag. Bis zum Turnier im eigenen Land, so hatte nicht zuletzt Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic prognostiziert, soll die aktuelle Spielergeneration ihren Höhepunkt erreichen.
Rödl selbst äußerte sich zu seiner Zukunft auch betont gelassen. „Ich habe im Moment keinen Grund, mir darüber Sorgen zu machen“, sagte er, „Wir haben noch drei Spiele vor uns. Ich werde versuchen, der Mannschaft zu helfen und die Chance auf Olympia offen zu halten.“
Und der Star auf dem Feld? Denkt auch nicht an Abschied. „Ich werde jetzt nicht, weil wir bis jetzt noch kein erfolgreiches Turnier gespielt haben, sagen, dass ich nicht mehr dabei bin. Dafür bin ich ein zu großer Kämpfer“, sagte Dennis Schröder. Und reichte die Verantwortung aber auch an die Kollegen weite: „Aber da müssen natürlich alle mitziehen – solange alle mitziehen, bin ich auch dabei.“
Ein Wink, der bei der Mannschaft durchaus ankam. Zu viele vermeintliche Leistungsträger waren in den beiden verkorksten WM-Partien abgetaucht. Danilo Barthel sprach aus, was sich viele gedacht haben dürften. „Wir haben uns alle zu sehr auf die Qualität von Dennis verlassen, wir haben ihm zu viel auf die Schultern gepackt“, sagte er, „wir hätten ihn durch den ein oder anderen Spieler, der auf dem höchsten Niveau spielt, entlasten können“ Beispiele dafür waren in der Tat selten. Am ehesten war da noch Johannes Voigtmann zu nennen, der gegen Frankreich die zwischenzeitliche Aufholjagd schulterte. Doch das war unter dem Strich viel zu wenig.