Madrid – Die Stimme war fest, die strenge Mimik sollte Entschlossenheit vermitteln. Doch das Schulterzucken entlarvte Robert Moreno, noch bevor es seine Worte taten. Dass er durch die Tragik im Leben seines Freundes Luis Enrique ins Rampenlicht gezerrt wurde, konnte der neue Trainer der spanischen Nationalmannschaft auch vor dem ersten Spiel als Chef schwer akzeptieren.
„Es gibt drei Pressekonferenzen, an denen ich am liebsten nie teilgenommen hätte“, sagte Moreno vor der heutigen Partie in der EM-Qualifikation in Rumänien (20.45 Uhr): „An der vor dem Malta-Spiel, an der bei meiner Präsentation als Nationaltrainer – und an der heute.“
Vor dem Spiel gegen Malta im März sprang der damalige Assistent Moreno für seinen Boss Enrique ein, weil dieser „aus privaten Gründen“ abreisen musste. Mitte Juni wurde Moreno zum Cheftrainer befördert, weil Enrique „aus privaten Gründen“ von seinem Amt zurückgetreten war. Und am Dienstag musste Moreno im Vorfeld der Rumänien-Begegnung vor die Medien treten – wenige Tage nach dem Tod von Enriques Tochter Xana, die aufgrund eines Knochentumors nur neun Jahre alt geworden war.
„Es war eine schwere Woche“, gab Moreno unumwunden zu. „Jetzt müssen wir versuchen, zu einem schlechten Zeitpunkt durch eine Nebensache ein wenig Freude zu vermitteln“, äußerte der 41-Jährige mit Blick auf das Spiel in Bukarest.
„Luis ist mein Freund – und Freundschaft steht über allem.“, philosophierte der loyale Moreno, der seinen Posten gerne wieder für den 49 Jahre alten Enrique räumen würde: „Ganz sicher denkt er derzeit nicht im Entferntesten daran. Aber wenn er sich dazu entscheiden würde, dass er – wann auch immer – wieder zurückkehren möchte, dann würde ich mit Freude zur Seite treten.“
Moreno war bisher der Mann für die zweite Reihe. Beim AS Rom, bei Celta Vigo, beim FC Barcelona und der Nationalmannschaft war er Enriques Assistent. „Wenn wir im nächsten Jahr Europameister werden, wird niemand mehr danach fragen, ob ich Erfahrung habe oder nicht“, sagte Moreno in Richtung seiner Kritiker. sid