Die FIFA hat mal die Absicht geäußert, einem Verein nicht mehr als acht Spieler zu gestatten, die er verleiht. Doch bis jetzt hat sich der Weltverband nicht durchgesetzt. Vor allem in zwei Ländern wird eine solche Regelung strikt abgelehnt: Italien und England.
Bei den Italienern gehört es zur Transferkultur, Spieler zu verkaufen und als Leihgaben in Umlauf zu bringen. Der Hintergrund: Proficlubs unterhalten – anders als es in Deutschland die Regel ist – keine zweiten Mannschaften, daher wollen sie Spieler, bei denen sie eine Perspektive erkennen, in den unteren Ligen in Spielpraxis bringen. Vier professionelle Ligen gibt es in Italien – mit vielen kleinen Vereinen, die gar nicht die Finanzkraft haben, um sich Teams zusammenzukaufen. Sie leihen sie sich zusammen. Für den verleihenden Verein hat das den Vorteil, dass er schnell und unbürokratisch Zugriff auf sein Talent hat, falls es sich gut entwickelt.
Serie-A-Clubs haben zwischen 20 und 30 Spielern im Umlauf. Am wildesten trieb es im Sommer 2013 der AC Parma, der 166 Spieler kaufte. „Zum Supermarkt verkommen“, kritisierte die Zeitung „La Repubblica“. Der Club verteidigte sich: Er arbeite eben mit Quantität, angestrebt sei, dass 30 bis 40 Prozent der Einkäufe gut genug sind, um sie selber einzusetzen oder mit ihnen Gewinn zu erzielen.
Parma arbeitete sogar grenzübergreifend: 21 der 166 Spieler wurden beim ND Gorica in der slowenischen Liga geparkt. Einer aus dem Parma-Verleihfonds war Slawomir Peszko. Den Polen kaufte Parma 2013 vom 1. FC Köln und verlieh ihn sofort zurück. Gespielt hat er für Parma nie.
Die englischen Vereine schwimmen dank der Medienerlöse im Geld, sie füllen ihre Kader, weil sie es sich leisten können und sie verhindern wollen, dass ihnen ein guter Spieler durch die Lappen geht. Der FC Chelsea kam im Jahr 2018 auf einen Bestand von 80 Spielern (für erste und zweite Mannschaft), 40 schickte er weiter.
„Menschenhandel, Rohform des Transfersystems“, sagte der deutsche Manager Jörg Schmadtke (Wolfsburg) zur Verleihwelle. gük