Das schwerste Auswärtsspiel

von Redaktion

München muss in der CHL ins Schweizer Bergdorf Ambri – Spezielle Fankultur

VON GÜNTER KLEIN

München – Es ist mit einem Schlag interessant geworden in der Münchner Vorrundengruppe der Champions Hockey League (CHL). Der EHC ließ bei seiner 2:3-Penalty-Niederlage in Banska Bystrica zwei Punkte liegen, die Slowaken gewannen am dritten Spieltag somit erstmals. Genauso wie der HC Ambri-Piotta, der den bis dahin ungeschlagenen schwedischen Club Färjestads Karlstad 2:1 niederrang. In der Tabelle rücken alle enger zusammen – und dem EHC München steht am Samstag (19.45 Uhr/Sport1) sein schwerstes Auswärtsspiel bevor: in Ambri.

Die Barons, eine der Vorgänger-Organisationen des EHC, haben mal eine Ambri-Erfahrung gemacht. Im November 2000 nahmen sie an einem Vorrundenturnier des Continental Cup (so hieß der internationale Wettbewerb damals) teil. Die Mannschaft bezog Quartier an der Autobahnraststätte in Bellinzona und fuhr zu den Spielen hinauf ins Bergdorf Ambri. Über 1000 Meter hoch gelegen, 300 Einwohner.

Erstaunlicherweise gibt es dort einen Flughafen und einen renommierten Eishockeyclub. Die Spielstätte heißt Pista la Valascia, ist 60 Jahre alt, hat 5000 Steh- und 2000 Sitzplätze. Hauptfeind ist der Tessiner Rivale HC Lugano. Die Millionarios vom Lago Maggiore. Ambri pflegt sein Image als Bauernclub und Rebell. Symbolfiguren: die Revolutionäre Che Guevara und Apachenhäuptling Geronimo. Sie werden auf Fahnen im Fanblock verehrt. So war es auch in München zu sehen, wo vorige Woche Ambris Team von 1000 Fans zum Hinspiel (0:3 aus Sicht der Schweizer) begleitet worden war.

Vor 19 Jahren verlief sich Bob Sweeney, einer der Stars der Barons, im verwinkelten Stadion. Der Deutsche Meister gewann das Turnier und konnte auch noch ein Duell zwischen Ambri und Lugano erleben. Im Leuchten der Pyrofackeln. Eine (auf Lugano-Seite) brannte ein Loch in die Plexiglas-Umrandung. Die Teams spielten ungerührt weiter, für sie war es Alltag, den sie aus der Schweizer Nationalliga A kannten.

Doch kann Ambri so wild bleiben, wie es ist? Der Club kämpft ums Überleben. Er benötigt eine neue Halle, um höhere Erlöse zu erzielen. Der Spatenstich für eine Arena ist erfolgt, 2021 soll sie in Betrieb genommen werden. Doch der Neubau, verbunden mit dem Rückbau der Valascia, wird über 50 Millionen Schweizer Franken kosten. Im September 2018 wurde Red Bull in Ambri vorstellig. Der Konzern aus Österreich, der im Eishockey den EC Salzburg und den EHC München betreibt, sucht nach einem Einstieg in den Schweizer Markt. Filippo Lombardi, Präsident des HC Ambri-Piotta, bestätigte „eine Vorbesprechnung betreffend Arena-Naming“, eine Übernahme stehe aber nicht zur Debatte. Die Fans positionierten sich umgehend gegen Einfluss von außen, speziell von Red Bull.

Dass ein Red-Bull-Team nun im Dorf auftaucht, wird die Stimmung befeuern. Was den Münchnern aber recht ist. „Ich spiele lieber, wenn’s laut ist, man kann das ja auf sich beziehen“, sagt EHC-Verteidiger Kony Abeltshauser. In Banska Bystrica am Donnerstag war es still: Die Zuschauerzahl betrug 1536.

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