Trainer in Versuchung

Jogi kämpft wie Calli

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Eine Fotozeitreise zurück in die 70er- und 80er-Jahre auf die Trainerbänke des Fußballs würde einen gravierenden Unterschied zu heute aufzeigen: Damals wurde geraucht. Und wie! Ein Spiel dauerte nicht 90 Minuten, sondern 14 Zigaretten (sieben Minuten, bis so ein Glut-stengel runterbrennt). Die Zigarette war in ihren besten Akzeptanzzeiten so etwas wie das Accessoire des Philosophen. Qualmende Trainer waren die interessantesten: Menotti! Happel! Toppmöller! Neururer! Lorant! Gut, der Gehalt sinkt in dieser Reihe etwas ab, und Lorant hat mit seiner Werbung für Nikotinpflaster sich selbst verraten.

Irgendwann wurde Rauchen auf der Trainerbank verboten und irgendwann unschicklich. Jogi Löw gehörte schon zu der Generation Trainer, die nie öffentlich paffte. Er verdrückte sich stets hinter die Tribüne, und wenn ihn dort mal ein Journalist ertappte, schloss er ein Schweigebündnis mit dem Bundes-Jogi. Das war nichts für die Öffentlichkeit, dass unser Vorzeige-Deutscher eine ungesunde Angewohnheit pflegt. Das konnte man als Reporter im privaten Freundeskreis erzählen: als Insiderwissen aus der Nationalmannschaft.

Bis Löw bei der EM 2008 in der Schweiz fürs Viertelfinale gesperrt war, nicht auf der Bank coachen durfte, sondern hinauf in eine der Logen des Baseler St. Jakob-Parks musste. Hinter der VIP-Glasfront war zu erkennen, wie er nervös an einer Zigarette saugte. Um zu verhindern, dass er vor Aufregung gleich in die Luft geht.

Neueste Info, von der Pressekonferenz der Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen die Niederlande (ja auch eine Rauchernation, irgendwie): Löw hat aufgehört, vor Monaten schon. Auf Nachfrage sagte er: Er werde es durchhalten, er höre schließlich nicht zum ersten Mal auf. Er ist also Experte wie Reiner Calmund beim Abnehmen, da sind auch schon Hunderte von Kilos runtergegangen. Viel Glück, Jogi!

Guenter.Klein@ovb.net

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