Jackson vergisst, dass er verkabelt ist

von Redaktion

Münchner Trainer wird beim 3:2-Sieg in Ambri ausfällig – Neuer Verteidiger

VON GÜNTER KLEIN

Ambri/München – Es gibt viele Geschichten rund um den EHC München. Etwa, wie er das knifflige Auswärtsspiel in der Champions Hockey League (CHL) beim HC Ambri Piotta gewann: 3:2 nach Penaltyschießen, beim finalen Showdown trafen Patrick Hager, Chris Bourque und entscheidend Frank Mauer. Eine reife Leistung vor 5031 Zuschauern im berühmten Schweizer Bergdorf. In der CHL steht München nach vier Partien mit neun Punkten gut da.

Eine andere Geschichte war die, dass der EHC am Wochenende noch einen Transfer tätigte. Die Abwehr war ja ein wenig dünn besetzt, daher wurde noch eine verfügbare Ausländerlizenz vergeben: Bobby Sanguinetti kommt aus der American Hockey League (AHL), von den Charlotte Checkers. Sanguinetti, 31, Amerikaner, ist ein Offensivverteidiger. Für ihn spricht, dass er schon in der Schweizer Liga spielte (Lugano, Kloten), wo die Imports in der Regel besser sind als in der DEL.

Doch all diese schönen Meldungen vom EHC traten zurück hinter einer Szene, die auch die erreichte, die die Begegnung nicht live verfolgt hatten. Sie machte über die sozialen Kanäle schnell Karriere. Kurz vor Schluss der Verlängerung sorgte Münchens Trainer Don Jackson für einen Eklat. Er schrie Schiedsrichter Mikko Kaukakori an, richtete drohend den Finger auf ihn, er schmetterte seine Taktiktafel auf die Bande, von dort purzelte sie aufs Eis. Zehnmal binnen 26 Sekunden schmetterte Don Jackson dem Referee ein „Fuck you“ entgegen, dreimal rief er „Fucking bullshit“. Anlass? Sportmanager Christian Winkler sagte am Sonntag: „Don hat sich sofort entschuldigt.“

Das Spiel war im zweiten Drittel hitzig geworden, nach einem Faustkampf zwischen dem Münchner Andrew Bodnarchuk und Robert Sabolic wurde sechs Minuten lang über die Strafen diskutiert. In der letzten Minute der Overtime hatte erst der EHC eine Riesenchance, dann auf der Gegenseite Ambri, EHC-Verteidiger Abeltshauser erhielt eine Zwei-Minuten-Strafe, Ambri würde die letzten 21 Sekunden Überzahl haben, der Trainer der Schweizer, Luca Cereda, forderte eine Rückstellung der Uhr, wollte weitere Sekunden gewinnen. Diesem Wunsch entsprachen die Schiedsrichter nicht; Jackson war trotzdem nicht mehr zu halten.

Er erhielt eine Spieldauerdisziplinarstrafe, wodurch sein Auftritt unweigerlich zu einem Fall für das „Sportdisziplinar-Board“ der CHL wurde, besetzt mit Lyle Seitz (Österreich), Alex Jäger (Deutschland), Bo Lennartson (Schweden) sowie weitere ehemaligen Spielern und Referees aus den sechs Gründungsländern der CHL. Im österreichischen Ebensee werden alle Spiele im Livestream von den Disziplinarchefs verfolgt. Eine Strafe muss innerhalb von 24 Stunden nach dem Vergehen ausgesprochen werden.

Jacksons Wutausbruch verwunderte dann doch ein wenig, weil der Amerikaner, 63, als still gilt, leise spricht, oft verhuscht auftritt. Als Spieler jedoch war er knochenhart, als junger Trainer vor 25 Jahren verprügelte er bei einem Spiel in Amerika mal ein Maskottchen, vorige Saison erhielt er von der DEL zweimal eine Geldstrafe aufgebrummt.

Sein Pech in Ambri: In der Champions League werden die Trainer, was Jackson wohl vergessen hatte, zu „Cable Guys“, also verkabelt. Um – Marketingidee – Geschichten zu schreiben. Das ist gelungen.

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