Miami – Neymar legte die rechte Hand hinter sein Ohr und gab mit dieser Geste wohl seine Antwort auf die zahlreichen Pfiffe, die ihm in Miami entgegengeschlagen waren. Brasiliens Fußball-Genius feierte ein mehr als ordentliches Comeback nach dreimonatiger Pause. Der umstrittene Superstar von Paris St. Germain war beim 2:2 (1:2) gegen Kolumbien in Florida der Mann des Tages. Mit seinem Ausgleichstreffer in der 58. Minute bewahrte der 27-Jährige die Selecao Niederlage. Außerdem leistete der Supertechniker auch ohne Spielpraxis die Vorarbeit zum anderen brasilianischen Treffer durch Real Madrids Star Casemiro (19.). Seit 17 Partien ist der fünfmalige WM-Champion nun ungeschlagen.
Neymar fühlte sich nach dem Remis als Gewinner und zeigte es den pfeifenden Zuschauern unter den 65 232 Fans im Hard Rock Stadium des NFL-Teams der Miami Dolphins mit seiner demonstrativen Geste, dass ihm auch die Missfallensbekundungen nichts anhaben können. Dabei waren es vor allem die kolumbianischen Anhänger in der Arena, sie pfiffen bei jeder Ballberührung von Neymar lautstark. Der seit Wochen in Schweigen versunkene Stürmer antwortete im ersten Auftritt seit seiner Sprunggelenksverletzung am 5. Juni mit einer Eckball-Vorlage zum Führungstor von Casemiro und mit seinem ersten Tor für Brasilien seit zehn Monaten.
„Je mehr das Spiel seinem Ende zuging, umso mehr hat er produziert. Das war schon überraschend“, lobte Trainer Tite seinen über 90 Minuten agierenden Schützling, der immer wieder von den Gegenspielern provoziert wurde.
Viele glaubten schon, Neymar könne der Selecao keine Impulse geben. Doch sein 61. Länderspieltor im 98. Einsatz zeigte, dass der Ausnahmespieler trotz aller Eskapaden immer noch Weltklasse darstellt. Schon vor dem Spiel hatte Neymar bei Instagram geschrieben: „Überglücklich, das Trikot der Selecao überzustreifen, und noch mehr, das zu machen, was ich am meisten liebe: Fußball zu spielen. Egal, wo.“ Nach dem Schlusspfiff schickte er ein Foto in Jubelpose mit dem schlichten Satz: „Danke, Gott, für alles“ hinterher.
Die Selecao, für die der Neu-Münchner Philippe Coutinho in seinen 80 Minuten ab und an im Angriffsspiel Gefahr heraufbeschwor und am Neymar-Tor als Wegbereiter beteiligt war, trifft nun in der Nacht zum Mittwoch auf Peru. sid