München – Sportlich hat der TSV 1860 am Samstag gegen Jena die Chance, den Holperstart in der Dritten Liga in einen halbwegs passablen zu korrigieren, Clubpolitisch ist die Lage wesentlich komplizierter. Investor Hasan Ismaik fordert beharrlich den Rückzug des gesamten Präsidiums, um den Weg für neue Darlehen (und eine Klage gegen 50+1) freizumachen, die e.V.-Spitze verweist auf die Alternativlosigkeit ihres sogenannten Konsolidierungskurses.
„Jede weitere Verschlechterung der Eigenkapitalquote“ sei „dringend zu vermeiden“, heißt es in einer gestern veröffentlichten Erklärung auf tsv1860.org. „Unsere Hoffnung und Erwartung ist, dass am Ende die kaufmännische Vernunft siegt und die Lust unseres Mitgesellschafters, den TSV 1860 München sportlich erfolgreich zu sehen, seine Aversion gegen die Vereinsvertreter übersteigt.“
Der öffentliche Schlagabtausch geht in die nächste Runde. Immerhin: Der Wille nach Versachlichung ist passagenweise erkennbar, wenngleich auch hier Vorsicht geboten ist. In erster Linie geht es um die weiß-blaue Macht- und Deutungshoheit.
Angesichts der ungeklärten Zukunft, die mit einer weiteren Etatsenkung in der kommenden Saison nichts Erbauliches verspricht, kommen die bekannten Vorschläge nun geballt. „Hilfreich wäre im ersten Schritt, wenn unser Mitgesellschafter sich entschließen könnte, seine noch bestehenden Darlehen in Genussscheine zu wandeln, damit die Rückstellungen für bevorstehende Strafzahlungen an den Verband aufgelöst werden können“, schreibt das Präsidium.
Im zweiten Schritt dann solle die Profi-KGaA über eine Kapitalerhöhung weitere Gesellschafter bekommen. Nur dann, so die Hoffnung der e.V.-Spitze, werde sich auch „die ungute Polarisierung zwischen unserem alleinigen Mitgesellschafter und dem Verein“ lösen. „Als positiv bewerten wir es, dass sich unser Mitgesellschafter im Rahmen eines Sponsorings an den Personalkosten für Timo Gebhart und Prince Osei Owusu beteiligen will.“
Damit hat es sich mit den Freundlichkeiten. „Entgleisungen“ von Ismaik wie zuletzt die Rassismus-Vorwürfe werde man nicht weiter hinnehmen, heißt es. Die Rede ist von einer politisch motivierten „Blockadehaltung“, die Ismaik als Hauptgesellschafter am Ende vor allem selbst schade. „Mit einer insolventen Gesellschaft würde er sein Investment verlieren. Der Profifußball beim TSV 1860 München kostet (Ismaiks Firma) HAM International Limited seit zwei Jahren im laufenden Betrieb so wenig Geld wie noch nie.“
Wie die Kommunikation zukünftig aussehen soll? „Ob unser Gesellschafter sich persönlich zeigt, kann niemand prognostizieren“, heißt es in der Erklärung des Präsidiums. „Worauf wir uns als Vereinsvertreter nicht einlassen, ist ein Spiel der Gewährung von Audienzen. Das entspricht nicht unserer Vorstellung von Partnerschaft.“ Ismaiks Antwort wird wohl nicht lange auf sich warten lassen.