Sebastian Vettel in der Krise

Noch reichlich Benzin im Tank

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Wenn Sebastian Vettel die Empfehlungen der internationalen Fachpresse ernst nimmt, braucht er übernächste Woche nicht zum Rennen nach Singapur reisen. Seine Karriere ist vorbei. Überholt und überlistet vom eigenen Teamkollegen.

Ohne Frage hat die Sonne auf den vierfachen Weltmeister schon heller geschienen. Seit August 2018 wartet der Deutsche nun auf einen Sieg bei einem Formel-1-Rennen. Mal war sein Ferrari nicht konkurrenzfähig. Mal patzte er mit unerklärlichen Fahrfehlern – besonders in jüngster Vergangenheit. Die Kritiken zu seinen Auftritten der letzten Wochen lesen sich allerdings eher wie Nachrufe und nicht wie sachliche Einschätzungen einer unterdurchschnittlichen Leistung. „In Rente“ wollen ihn einige Experten am Liebsten schicken.

Was die Kollegen in ihrer „Leclerc-Mania“ vergessen: Vettel ist erst 32 Jahre alt. Seine Wunderkind-Karriere holt ihn in diesen Tagen ein. 2007 fuhr er sein erstes Formel-1-Rennen. Mit 23 Jahren gewann er 2010 als jüngster Pilot aller Zeiten die Weltmeisterschaft. Drei weitere Titel in Serie folgten. Heute mit 32 Jahren wartet auf den Deutschen noch vieles, aber nicht die „Rente“.

Abhaken muss er allerdings wohl den Traum, mit Ferrari eine Weltmeisterschaft zu feiern. Dafür hat sich sein junger Teamkollege Charles Leclerc zu nachhaltig in die Herzen der Tifosi gerast. Spätestens nach seinem Sieg im Heim-Grand-Prix von Monza ist der 21-Jährige die gefühlte Nummer 1 bei Ferrari. Zudem scheint das Verhältnis zwischen Vettel und dem jungen Franzosen so zerrüttet, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit kaum vorstellbar ist.

Das Scheinwerferlicht des prestigeträchtigsten Formel-1-Stalls und der bodenständige, wortkarge, manchmal spröde wirkende Hesse – so richtig hat diese Kombination nie gezündet. Vettel hätte die emotionalen Italiener nur mit WM-Titeln in Serie gnädig stimmen und auf seine Seite ziehen können. So wie Michael Schumacher. Auch er wurde erst von den Ferraristi verehrt, als sich der Erfolg einstellte.

Wie schnell und ehrlich Sebastian Vettel das Kapitel Ferrari abhaken kann, daran wird sich zeigen, ob er noch einmal durchstartet. Er muss zwei Schritte zurück machen, um einen nach vorne machen können. Mit 32 Jahren sollte das möglich sein. Erst recht in der Formel 1.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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