Reizfigur und Rekordmann

von Redaktion

Ramos absolvierte sein 167. Länderspiel für Spanien und zog mit Bestmarkenhalter Casillas gleich

Gijon – Nein, schlafen konnte Sergio Ramos in der Nacht zu Montag nicht. Zu aufwühlend, zu nervenaufreibend war das Match im Arthur-Ashe-Stadium von Flushing Meadows. Anstatt sein eigenes Rekordspiel zu feiern, fieberte der Kapitän von La Roja via iPad mit seinem Landsmann, Tennisidol Rafael Nadal. „The greatest“, twitterte Ramos über Nadal, als jener nach fast fünf Stunden das Finale der US Open und damit seinen 19. Grand-Slam-Titel gewonnen hatte.

Der Größte – Worte, die auch nach der Partie der spanischen Fußballer gegen die Färöer immer wieder zu vernehmen waren. Und zwar über Sergio Ramos. Beim lockeren 4:0-Sieg, der den Iberern am Sonntagabend praktisch das EM-Ticket sicherte, zog der Abwehrchef mit Iker Casillas gleich und stieg mit seinem 167. Länderspiel zum Rekord-Nationalspieler seines Landes auf.

„Herzlichen Glückwunsch, mein Freund“, gratulierte Ex-Nationalkeeper Casillas: „Ich hoffe, es werden noch viele Spiele hinzukommen.“ Genau neun Einsätze fehlen noch bis zum Europarekord von Italiens Torhüter-Legende Gianluigi Buffon, 17 bis zum Weltrekord von Ägyptens Ahmed Hassan. Und dass Ramos, 33, diese Bestmarken erreichen wird, steht für viele außer Zweifel.

Ramos hat den nächsten Höhepunkt einer emotionsgeladenen Karriere erreicht. In seinen 14 Jahren bei Real Madrid und im Nationalteam sammelte der Weltmeister (2010) und Europameister (2008, 2012) Titel en masse und wurde zu einem der weltbesten Innenverteidiger. Er galt und gilt aufgrund seiner beinharten Spielweise und der provokanten Art auf und abseits des Feldes aber auch stets als Reizfigur.

Das wurde auch am Sonntag offenbar. „Ich bewundere ihn“, versicherte Färöer-Trainer Lars Olsen, „aber manchmal ist sein Stil zu brutal. Er könnte einige Rote Karten, die er sieht, vermeiden.“ 20-mal schon flog Ramos in der Primera Division vom Platz, 145-mal sah er Gelb– auch das ist ein, wenngleich unrühmlicher, Rekord.

Die Geschichte seines bewegten Lebens trägt Sergio Ramos übrigens unter der Haut. Sein muskulöse Körper ist übersät von Tattoos, Andenken an seine Heimat Sevilla und Liebesbotschaften an die Familie. Und er erzählt von einer außerordentlichen Karriere. Gut möglich, dass nach seiner Bestmarke am Sonntag ein weiteres kleines Kunstwerk hinzukommt.  sid

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