Schmucklos zum 2:0-Pflichtsieg

von Redaktion

Nordirland macht es mit schlichten Mitteln der DFB-Elf lange schwer

VON GREG O’SMALLY

Belfast – Ein Glanzstück war es nicht, das die deutsche Nationalmannschaft am 5. Spieltag der EM-Qualifikation ablieferte. Aber zumindest bringt sie ein Ergebnis mit nach Hause, das die akuten Sorgen, man könne das große Turnier im nächsten Jahr verpassen, vertreibt: Beim bisherigen Spitzenreiter der Gruppe, Nordirland, gewann die Elf von Bundestrainer Joachim Löw 2:0. Die Tore von Marcel Halstenberg und Serge Gnabry waren Schmuckstücke, die Leistung insgesamt eher schmucklos.

Schon klar: Britische Mannschaften nagelt man nicht einfach an die Wand. Sie starten immer mit Feuereifer, ihr „Gold Save the Queen“ noch in den Ohren. So war es auch bei den Nordiren im Windsor Park von Belfast, der zwar nur ein Stadion für 18 000 Zuschauer ist, aber klingt wie eines, in dem 50 000 sitzen.

Die Grün-Weißen liefen die Deutschen also früh an, um sie zu Fehlern zu zwingen. Das funktionierte. Sogar bei dem ballsicheren Toni Kroos, der in der 7. Minute an der Außenlinie einen Fehlpass fabrizierte. Und schon war Mittelstürmer Conor Washington vom schottischen Club Heart of Midlothian vor Manuel Neuer. Der Torhüter wehrte ab. Von da an wusste er, dass er auf Washington ein Auge würde haben müssen. Die zweite große Chance für den Nordiren in der Schlussphase der ersten Halbzeit: Eine scharfe Flanke von rechts boxte Neuer ihm vor die Füße – Washington war überrascht und machte aus dieser Vorlage nichts, auch Jonathan Tah, kurz zuvor für den verletzten Matthias Ginter eingewechselt, warf sich noch dazwischen.

Zwar erspielte sich Joachim Löws Elf nach und nach ein Übergewicht im Ballbesitz, was sie damit aber anstellte, war wenig zufriedenstellend. Die Umschaltbewegungen versandeten am nordirischen Strafraum, Timo Werner war damit beschäftigt, nach seinen versuchten Torabschlüssen Handspiele der Verteidiger zu reklamieren. In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs brachte sein Leipziger Teamkollege Klostermann ihn mit einem Diagonalpass in gute Schussstellung – doch Werner donnerte den Ball gegen Torhüter Peacock-Farrell. Auch Niklas Süle wirkte nicht ganz vorbereitet, als er in der 27. Minute nach einer Ecke hätte einschießen können.

Pech für die Nordiren, dass nicht auch die zweite Halbzeit mit der Hymne beginnt. So war ein wenig von der Anfangspower abhandengekommen – und das nutzte die Löw-Truppe bei ihrem ersten Angriff aus. Gnabry hatte das Mittelfeld geordnet, spielte nach rechts zu Klostermann, de flankte, Brandt kam in der Mitte mit dem Kopf nicht richtig ran (ist aber auch nicht sein Job), der Ball wurde dadurch aber nach links verlängert, wo Marcel Halstenberg ihn einfach aus der Luft nahm. „Volley“ – wie es noch am Freitag auf der Choreografie des Fanclubs Nationalmannschaft geheißen hatte. 48. Minute, Treffer, Erleichterung in den Gesichtern.

Das Spiel lief nun leichter für den Favoriten. Gnabry (52.) und Reus (53.) hatten gleich die nächsten Chancen. Kurz darauf: Freistoß für die Deutschen, Reus zirkelt über die Mauer, Nordirlands Torwart zeigt, wie schön er fliegen kann.

Angesichts der Dominanz in dieser Viertelstunde hätte die DFB-Vertretung höher als 1:0 führen müssen. Tat sie aber nicht und musste darum auf der Hut sein. Und um ein Haar hätte Dallas die Deutschen mit dem Ausgleich geschockt (63.). Der eingewechselte Whyte war Joshua Kimmich davongesprintet. Die deutsche Abwehr musste sich sortieren und darauf vorbereiten, dass die Nordiren es mit hohen Bällen versuchen würden. Niklas Süle straffte sich schon mal.

Kai Havertz, der für Timo Werner eingewechselt wurde, hatte die besten Chancen, für ein beruhigenderes Erlebnis zu sorgen. Er vergab zwei große Chancen.

Das zweite Tor holte dann in der Nachspielzeit Gnabry nach. Schlau schlich er an den müden Nordiren vorbei.

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