Jahr eins vor dem Aufstieg – und es wird schon aufgerüstet

von Redaktion

Die DEL2 bereitet sich auf die neue Ära vor – Gleich zwei Spiele werden in Fußballstadien ausgelagert

VON GÜNTER KLEIN

Landshut – Die DEL2 ist der DEL wieder einen Schritt näher gekommen. Auch in der zweithöchsten Eishockey-Liga Deutschlands wird der Topscorer jeder Mannschaft einen roten Helm tragen – „wie in der DEL1“, so drückt es Rene Rudorisch aus.

Er ist der Geschäftsführer der DEL2, die sich in Neuss das Büro mit der DEL teilt. Die DEL führt offiziell keine Ziffer hinter ihrem Namen, weil es sie seit 25 Jahren gibt, sie eigenständig ist und über ihr keine andere Organisation stehen kann. Die 2. Liga hat sich 2013 quasi angeschlossen, seitdem heißt sie DEL2 und hat ein ähnliches Logo.

Dass der beste Punktesammler einer Mannschaft mit einem andersfarbigen Helm gekennzeichnet wird, das hat in Deutschland die DEL2 eingeführt, bereits vor sechs Jahren. Bei ihr war der Helm sogar golden. Die große DEL hat erst vor einem Jahr nachgezogen, in Rot, aber sie bekommt Geld dafür von einer Fitnessstudiokette, die sich die flächendeckendste in Deutschland nennt. Diese schloss den im Grunde gleichen Vertrag nun auch mit der DEL2 ab. Die verbreitet sich ja schön von Südwesten (Freiburg, Ravensburg) bis nach Osten (Crimmitschau, Dresden, Weißwasser), hat bayrische Tradition im Programm (Kaufbeuren, Bad Tölz, Landshut) und hessische Ambition (Frankfurt, Kassel). Und vor allem: Sie hat wieder eine Perspektive. Mit der DEL verständigte sie sich auf eine Auf-/Abstiegsregelung. Sie greift ab 2020/21. Dann soll der Meister der DEL2 in die DEL hochdürfen – so er denn die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt. Zuletzt war die Tür verschlossen.

Aber erst noch steht die Saison 2019/20 an – ohne Aufstieg. „Die Clubs, die den Aufstieg nächstes Jahr planen, müssen jetzt versuchen, den Grundstein zu legen und eine Mannschaft zu formen“, erklärt Rene Rudorisch. Er rät dazu, „auch im Backoffice die Grundlagen zu schaffen für den Fall, wenn es mal so weit ist. Die DEL ist schon eine Hausnummer.“

Axel Kammerer ist Trainer des EV Landshut, der aus der Oberliga in die DEL2 zurückgekehrt ist. Was sein Team erwartet, kann er schwer einschätzen. Weil der EVL bis fast in den Mai hinein Playoffs hatte, konnte mit dem Umbau des Stadions erst spät begonnen werden. Die Verzögerung bekommen die Niederbayern nun zu spüren. Ihre Vorbereitung absolvierten sie in Moosburg, das erste Heimspiel in der DEL2 wird erst nach fünf Wochen (am 18. Oktober) möglich sein. „Bis dahin spielen wir nur auswärts“, so Kammerer. „Und auch nur ein Spiel pro Wochenende.“ Ab November muss Landshut Termine nachholen, oft dienstags spielen. Einen solchen Spielplan gab’s noch nie.

Kammerer sagt auch: „Nächste Saison wird dann in der Liga das große Aufrüsten beginnen.“ Ligenchef Rudorisch widerspricht nur insofern, als er das „bereits seit zwei Jahren“ feststellt. „Da haben die Topclubs begonnen, das Thema vorzubereiten.“ Nun erwartet er auch „eine spannende Saison um die Plätze sechs bis vierzehn, Von dem, was verpflichtet wurde, sind die Mannschaften ziemlich nahe beieinander.“

Für den Aufstieg 2021 kommen vorerst aber nur vier der vierzehn Zweitligisten in Frage: Frankfurt, Kassel, Bietigheim und Dresden wurden von der DEL bereits geprüft, „Heilbronn wäre mit einem Kraftakt auch dazu in der Lage“ (Rudorisch). Andere dagegen müssten ihren Standort erst entwickeln, die DEL stellt da klare Anforderungen, Stadien etwa müssen eine Punktevorgabe (Kapazität, VIP-Möglichkeiten, Videowürfel) erfüllen – sonst geht nichts. Für die großen vier Clubs gelte laut Rene Rudorisch: „Aufrüsten ist nicht der alleinige Schlüssel. Zuletzt ist Ravensburg Meister geworden.“ Kein Aufstiegskandidat.

Im letzten Jahr ohne Aufstiegsmöglichkeit verschafft sich die DEL2 anderweitig Aufmerksamkeit. Sie richtet zwei „Event Games“ aus: Bad Nauheim – Frankfurt im Fußballstadion auf Offenbachs Bieberer Berg (14. Dezember) und Dresden – Weißwasser (4. Januar), auch das in der Fußballarena. Dass die beiden Ereignisse sich kannibalisieren könnten, befürchtet Rudorisch nicht: „Diese Spiele sind keine deutschlandweiten Geschichten, sondern interessieren im regionalen Kreis. Offenbach und Dresden liegen weit auseinander.“ Geplant wird mit 20 000 und 30 000 Zuschauer.

Noch wird verhandelt, ob die Dritten Programme das Spektakel live übertragen. Das würde der DEL2 zu „medialer Strahlkraft“ verhelfen. Bislang gibt es sie beim Internetsender „Sprade.TV“. Das Modell: Streaming im Pay-per-view. Die Tore kann die DEL2 dafür aber schon nachts zur Gratis-Ansicht auf ihre Homepage stellen. Rene Rudorisch findet: „Das ersetzt nicht die große Fernsehpräsenz, aber unser Modell ist innovativ.“

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