Die Folgen der DFB-Auftritte

Löws gefährliches Spiel auf Zeit

von Redaktion

MANUEL BONKE

Vor dem am Montagabend zu Ende gegangenen Länderspiel-Doppelpack der deutschen Nationalmannschaft ging der DFB neue Wege – zumindest in der Kommunikationspolitik.

Nachdem Joachim Löw seinen Kader für die Qualifikationsspiele gegen die Niederlande (2:4) und Nordirland (2:0) bekanntgegeben hatte, stellte sich der Bundestrainer in einer digitalen Pressekonferenz den Fragen ausgewählter Medienvertreter. Der Bundestrainer war aus seiner Heimatstadt Freiburg per Videokonferenz-Plattform zugeschaltet, er wirkte entspannt und nach seiner Auszeit wegen eines gebrochenen Brustbeins voller Tatendrang. Auch wenn er einräumen musste, dass sein Fitness-Unfall gefährlicher war, als zunächst vermeldet wurde. Nichtsdestotrotz: Löws Freude, wieder bei seiner jungen Mannschaft zu sein, um mit ihr den Umbruch voranzutreiben, war greifbar.

Doch das Fazit nach den vergangenen acht Tagen fällt ernüchternd aus: Zu viele Durchalte-Parolen und ein gefährliches Spiel auf Zeit begleiteten die Duelle gegen die Niederlande und Nordirland. Erstmals seit der überraschenden Ausbootung des Weltmeister-Trios Müller, Boateng und Hummels verriet Löw seinen Zeitplan für seine neue junge Mannschaft. „Der Weg in die Spitze ist kein einfaches Unterfangen. Holland hat drei Jahre gebraucht, da müssen wir noch hinkommen.“ Drei Jahre also. Im heutigen Fußballgeschäft eine halbe Ewigkeit.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Die EM 2020 kommt für Kimmich & Co. zu früh, um beim paneuropäischen Turnier ernsthaft um den Titel mitspielen zu können, was aber immer Anspruch der Fußballnation Deutschland ist. Naiv von Löw, nach einem solch großzügigen Zeitplan zu arbeiten und darauf zu spekulieren, dass seiner jungen Truppe – und somit auch ihm persönlich – regelmäßig Fehler verziehen werden. Spätestens seit der WM-Blamage 2018 ist der Weltmeister-Trainer von 2014 nicht mehr unantastbar.

Die Schwächen seiner neuen Truppe liegen auf der Hand: Die Defensive funktioniert, egal in welcher Zusammensetzung, längst nicht reibungslos. Die Niederlande waren Nutznießer vom deutschen Abwehrchaos.

Hinzu kommt die stümperhafte Chancenverwertung. Diese Dinge muss das Team sofort verbessern – nicht erst in drei Jahren.

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