Belfast – Wenn sich die Länderspielpause für einen Fußball-Profi gelohnt hat, dann für Serge Gnabry. Zweimal rührte dieser bei der Nationalmannschaft in seinem imaginären Kochtopf, mit dem der Spieler vom FC Bayern schon seit geraumer Zeit seine Tore feiert. Mit dem ersten Treffer sorgte er für die zwischenzeitliche Führung gegen die Niederlande am vergangenen Freitag, sein zweiter in der Nachspielzeit in Nordirland am Montagabend brachte den nicht ungefährdeten und vor allem ganz wichtigen Sieg schließlich in trockene Tücher.
Hatten sich die meisten Fans zu Beginn der Woche noch über Joachim Löws Stammplatzgarantie für den Angreifer gewundert, dürfte sich der Bundestrainer wenigstens in diesem einen Punkt bestätigt fühlen. „Der Serge spielt immer“, hatte er in bester Louis-van-Gaal-Manier erklärt. Spätestens jetzt ist klar, warum.
Dass Gnabry nicht nur immer spielt, sondern auch (so gut wie) immer trifft, dürften die wenigstens wissen. Die Bilanz des 24-Jährigen liest sich eindrucksvoll. In zehn Länderspielen hat Gnabry bislang neunmal getroffen, dazu steuerte er noch zwei Assists bei. Eine Quote, mit der der Senkrechtstarter ziemlich alleine auf weiter Flur dasteht.
Mehr als sieben Treffer hat nämlich bislang noch niemand innerhalb der ersten zehn Länderspiele erzielt. Löw adelte den Stürmer noch einmal nach dem 2:0: „Serge macht es wirklich klasse. Nicht nur im Abschluss, sondern er ist auch ein wichtiger Zielspieler für uns geworden. Er kann die Bälle in den Räumen vor der gegnerischen Abwehr sehr gut behaupten. Er kann sie weiterspielen, geht wieder weiter und ist immer anspielbar.“
In Abwesenheit von Leroy Sané machte am Ende nicht Timo Werner, der für Leipzig in dieser Bundesliga-Saison schon dreimal getroffen hat. in den beiden Spielen vorne den Unterschied aus, sondern Gnabry. Dem Münchner erging es trotz seiner zwei Tore zum Schluss aber wie den meisten – er schien sichtlich erfreut darüber, dass die zähe Länderspielpause ihr Ende fand und ab sofort wieder Bundesligafußball ansteht.
So und nicht anders war zu erklären, dass Gnabry noch während der Partie an den nächsten Gegner der Bayern am Wochenende dachte. Kaum hatte der neue DFB-Emporkömmling nämlich die Kugel am nordirischen Keeper Peacock-Farrell vorbei ins Netz geschoben, wandte er sich RB Leipzigs Nationalverteidiger Marcel Halstenberg zu und gab ihm ein Versprechen der besonderen Sorte ab. „Serge kam nach seinem Tor zu mir und meinte: Samstag hau ich euch auch einen rein. Ich werde auf jeden Fall zusehen, dass das nicht passiert“, so der RB-Linksverteidiger. Umgekehrt wird auch der Rekordmeister aufpassen müssen, dass Halstenberg der Ball nicht wie am Montag in Belfast auf den linken Schlappen fällt und von dort aus ins Kreuzeck rast.
„Ich habe probiert, ihn gut zu treffen, und das habe ich, wie man sehen konnte“, blickte der Außenverteidiger stolz auf sein erstes Tor im DFB-Dress zurück. Damit wies Halstenberg auch schon eine bessere Quote auf als sein Teamkollege Werner, der nach Schlusspfiff im Bauch des Windsor Parks eine freche Erklärung für seine Blockade im Nationaltrikot parat hatte. „Ich habe meine Torpause in den zwei Länderspielen gehabt, jetzt kann ich also gegen Bayern wieder treffen“, orakelte der 23-Jährige mit Blick auf das Gipfeltreffen in Leipzig. Kollege Gnabry hat seinen Kochtopf bestimmt ebenfalls im Gepäck.