A bisserl Golfen geht ollawei…

von Redaktion

Beckenbauer scheint es wieder besser zu gehen – auch wenn er ein Charity-Turnier absagen musste

München – Die Ski-Legenden Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, Fußball-WM-Held Andy Brehme und Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach – bis Sonntag versammelt sich beim Eagles Präsidenten Cup geballte Prominenz auf dem Golfplatz in Bad Griesbach, rund 25 Kilometer südlich von Passau. Nur einer, der eigentlich immer dabei ist, fehlt: Franz Beckenbauer.

Gestern feierte der „Kaiser“ still und ohne mediale Begleitung seinen 74. Geburtstag. In der Öffentlichkeit ist Beckenbauer seit zwei Monaten nicht mehr aufgetreten. In Niederbayern werden nur Frau Heidi (52) und Sohn Joel (18) erwartet, dabei ist „Franz“ Gründungsmitglied der Eagles, einem gemeinnützigen Golf Club, der sich seit 1993 für Menschen in Not einsetzt.

An seinem vermeintlich schlechten Gesundheitszustand liegt seine Abwesenheit laut seines langjährigen Freundes Frank Fleschenberg (71) aber nicht. „Dem Franz geht es gut, am Dienstag hat er zu Hause in Salzburg eine Runde Golf gespielt“, erklärte der Eagles-Präsident unserer Zeitung. „Dass er diesmal nicht dabei ist, war seit Wochen klar. Nach den vielen Schlagzeilen zuletzt will er sich etwas zurückziehen und die Veranstaltung mit seiner Präsenz nicht überlagern. Ich bin mir sicher, dass er beim 33. Kaiser Cup wieder dabei ist.“

Bei der 32. Ausgabe seines eigenen Charity-Turniers trat Beckenbauer Mitte Juli zuletzt in Erscheinung und berichtete über einen Augeninfarkt. Er habe ein „bisserl“ Probleme und wegen Durchblutungsstörungen, die auch zum Infarkt führten, sei er auf einem Auge fast blind. Falls er jemanden „über den Haufen renne“, sei das keine Absicht, bemerkte der Weltmeister von 1974 damals in seiner gewohnt charmanten Art.

Nur knapp zwei Wochen später legten seine Anwälte gegenüber der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA), die laut einem Bericht des Spiegel kurz davor war, gegen die Fußball-Legende wegen der WM-Vergabe 2006 und einer ungeklärten Rückzahlung eines 6,7-Millionen-Euro-Kredits Anklage zu erheben, ärztliche Atteste vor. Diese besagten, dass jede Aufregung lebensgefährlich für Beckenbauer sein könne. Seit April habe sich sein Gesundheitszustand deutlich verschlechtert, sein Urteilsvermögen und sein Gedächtnis sollen stark getrübt sein. Ungeklärt ist nach wie vor, was es mit den 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee – Beckenbauer war OK-Chef – über den Weltverband FIFA an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus gezahlt wurden, auf sich hat.

Drei Jahre zuvor war derselbe Betrag von Beckenbauer und dem Unternehmer Robert Louis-Dreyfus (†2009) an den korrupten Fifa-Vorstand Mohamed bin Hammam (70) geflossen. Die Schweizer Bundesanwaltschaft wüsste gerne, wofür. Fakt bei den vielen offenen Fragen ist, dass Beckenbauer ab April 2020 keine Vorwürfe mehr fürchten muss, weil dann die Verjährungsfrist greift. Fakt in Bezug auf seine Gesundheit ist, dass sich der Weltmeister-Trainer von 1990 in den vergangenen drei Jahren zwei Herzoperationen unterziehen musste und 2018 eine künstliche Hüfte bekommen hat. Fakt ist offensichtlich aber auch, dass ein „bisserl“ Golfen immer noch geht.

MATHIAS MÜLLER

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