Düsseldorf – Die Deutsche Eishockey-Liga fühlt sich gerade ziemlich großartig. Das liegt am Abschneiden ihrer drei Vertreter in der Champions Hockey League. Adler Mannheim, EHC München und Augsburger Panther haben zehn ihrer zwölf Spiele bislang gewonnen, da konnte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke nicht widerstehen, eine Zwischenwertung nach zwei Dritteln der Gruppenphase zu erstellen: „Da sind wir die Nation Nummer eins.“ Gut, tatsächlich ist Deutschland in diesem Mehr-Jahres-Ranking immer noch Fünfter, doch der Trend geht nach oben, und schon als Vierter bekäme man vier Startplätze.
Augsburg, eher ein Team der unteren Mittelklasse, ist voriges Jahr in einen Flow und in Deutschland auf Rang drei geraten, die Eishockeyszene sympathisiert bundesweit mit den Schwaben, niemand geht aber davon aus, dass sie eine Saison wie die vergangene werden wiederholen können. Es ist Konsens, dass das deutsche Eishockey in der Spitze bestimmt wird von Mannheim und München. Nicht nur Matthias Roos, Macher der Krefeld Pinguine, tippt schon im September, „dass das das Finale sein wird“. Im April dann, in mindestens 60 Spieltagen.
Entfernen sich die beiden Clubs, die die Meisterschaften seit 2015 untereinander aufteilten, vom Rest der Liga? „Ja“, sagt Larry Mitchell, Sportdirektor beim ERC Ingolstadt, dem Sensationsmeister von 2014. Oberbayerns zweite Kraft ist gut ausgestattet und ein Team, das man sicher auf einen Playoff-Platz tippen kann. Doch mehr „als einen Schritt übers Viertelfinale hinauszukommen“ traut Mitchell sich nicht zu wünschen. Auch Ex-Nationalspieler Niki Mondt, Sportlicher Leiter der Düsseldorfer EG, die vorige Saison lange auf Platz drei saß (und letztlich Sechster wurde), erkennt eine Kluft zu Mannheim und München. „Sie haben viel Geld. Und man muss auch sagen, dass sie es vernünftig einsetzen.“
Offizielle Angaben zum Etat gibt es von Mannheim und München nicht, was an Zahlen etwa aus den Jahresabschlussberichten, die im Bundesanzeiger veröffentlicht werden müssen, abgeleitet werden kann: Die Branchenführer bewegen sich im Bereich über 15 Millionen Euro. Die traditionsreiche DEG, die von der Anschutz Entertainment Group am Leben gehaltenen Eisbären Berlin und die Kölner Haie werden auf zehn Millionen Euro taxiert.
„Die Haie gefallen mir leider sehr gut“, meint der Düsseldorfer Niki Mondt in rheinischer Unverbundenheit. In der Tat sieht man die Kölner als kommende dritte Kraft – was vor allem daran liegt, dass sie Mike Stewart als Trainer gewinnen konnten. Wer mit den bescheidenen Augsburger Mitteln Dritter werden und ins Halbfinale kommen und München in eine sieben Spiele lange Playoff-Serie treiben kann, müsste doch auch aus dem opulenteren Kölner Budget was machen können. Stewart wirkt schon recht entschlossen, wenn er sagt: „Es gibt zwei Favoriten – aber noch zwölf andere, die Meister werden wollen.“
Nun, für manche wäre das zu hoch gegriffen. Aber von den Playoffs träumen sie alle. Schwenningen etwa denkt schon ein Jahr weiter und will 2020/21, wenn der Abstieg wiedereingeführt wird, stark genug sein, um nichts damit zu tun zu haben. Der Wolfsburger Stürmer Gerrit Fauser spricht „von spürbarem Feuer, dass wir nicht noch einmal eine Saison erleben wie die letzte“, als der Playoff-Stammgast Zwölfter wurde und zwei Trainer verschliss.
Überall regiert das Prinzip Hoffnung, so ist das immer im Sommer. Nürnbergs neuer Sportchef Andre Dietzsch verweist auf die WM 2019. Weltmeister wurde Finnland mit – bis dahin – Nobodies, GÜNTER KLEIN