Uli Hoeneß hat neulich in die Fußballdiskussion den Begriff „Geldsäcke“ eingebracht, was aus dem Mund eines reichen Menschen zunächst komisch klang. Er erklärte dann seine überspitzte Einschätzung: Geldsackclubs sind die, die das, was sie investieren, nicht selbst erwirtschaften – etwa die aus dem arabischen Raum subventionierten Paris Saint Germain oder Manchester City.
In kleinerem Maßstab hat auch das Eishockey seine Geldsäcke. Die Eisbären Berlin leben nur dank einer Patronatserklärung ihres amerikanischen Besitzers, in Nürnberg zahlt der Schmuckhändler Thomas Sabo die Chose (diese Saison noch, dann steigt er aus), die Kölner Haie haben einen lokalen Multimillionär hinter sich, und auch Adler Mannheim und EHC München wären ohne Hopp-Family und Red-Bull-Konzern nicht in der Lage, ihre Etats zu stemmen.
Trotzdem – und das unterscheidet das Eishockey auf angenehme Weise vom Fußball: Auch die Clubs, die mit Investoren gesegnet sind, entwickeln keine Geldsack-Mentalität. Die Deutsche Eishockey-Liga leidet in der Breite natürlich darunter, dass sie im September schon spürt, dass im April das Finale Mannheim – München heißen wird. Dennoch vernimmt man aus den Reihen der Konkurrenten kein böses Wort über die beiden Dominatoren. Das Urteil lautet: Ja, sie haben mehr Geld, das sie einsetzen können – aber sie setzen es richtig ein. Es wird sorgfältig gescoutet und professionell mit den Spielern gearbeitet. Besonders Mannheim hat Maßstäbe gesetzt: Jeder im Training gelaufene Meter wird registriert, es gibt nicht nur den starken Cheftrainer Pavel Gross, sondern Coaches, die technische Fertigkeiten und Athletik lehren oder Experten für Ernährung. Mannheim und München liefern sich einen faszinierenden Wettbewerb darin, ihren Spielern das beste Umfeld zu schaffen.
Sie setzen sich vom Rest der Liga ab. Zu trauern braucht der aber nicht. Denn an die wahrhaft besten Spieler kommen auch die beiden Branchenführer nicht heran, die Weltstars spielen in der NHL. Die DEL bedient sich weiter aus dem Pool der zweiten, dritten Garde, und weil Adler und EHC nicht alle nehmen können, bleiben für die anderen noch welche übrig. Auch Mannheim und München werden mindestens zehn ihrer 52 Hauptrundenspiele verlieren, es werden auch Straubing, Schwenningen, Bremerhaven ihre Momente haben. Mit dem erhebenden Gefühl, es einem Geldsack gezeigt zu haben.
Guenter.Klein@ovb.net