Nur-Sultan – Frank Stäbler ist hungrig. Das ist sogar auf seinem jüngsten Facebook-Foto zu erkennen. „Das Gewicht fällt, die restlichen 3 Kilos müssen aber in Nur-Sultan purzeln“, kommentierte der dreimalige Ringer-Weltmeister das Bild von ihm auf einer Waage, auf dem er ziemlich ausgemergelt aussieht. Das ist kein Wunder, schließlich sind die „fetten Jahre“ für den Griechisch-Römisch-Spezialisten im Vorfeld der WM vorbei.
Stäbler isst derzeit so gut wie nichts – um so seinen Erfolgshunger bei den bevorstehenden Titelkämpfen in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan (14. bis 22. September) sowie den Olympischen Spielen im kommenden Jahr zu stillen. Und ohne Fasten wird das nichts. Da der 30-Jährige eigentlich 74 Kilo wiegt, hatte der deutsche Hoffnungsträger mit Blick auf die neue Gewichtsklassen-Einteilung bei Olympia die Qual der Wahl: Zulegen auf 77 Kilo oder abspecken auf 67 Kilo.
Stäbler entschied sich für Letzteres, da er sich in der leichteren Klasse wesentlich größere Chancen ausrechnet. „Das ist ein Gang durch die Hölle“, beschrieb der Sportsoldat sein Martyrium, das ihn an den letzten Tagen vor seinem Wettkampfauftakt am Sonntag erwartet. Stäbler wird so gut wie nichts trinken und nur den ein oder anderen Eiweißriegel essen.
Schon in den zurückliegenden Monaten hatte der Schwabe seine Ernährung umgestellt. Er rief das „Projekt 67“ aus, bei dem sein Körper zu einem „Verbrennungsmotor“ werden sollte. Seinen „Leidensweg“ setzte Stäbler vor seiner letzten WM-Teilnahme medial geschickt in Szene – das kann der pfiffige Musberger, der nach Olympia seine Karriere beenden wird, schließlich ziemlich gut. Schon in der Vergangenheit sorgte er mit seinem Gang ins Big-Brother-Haus und der Umgestaltung des elterlichen Kuhstalls zur Trainingshalle für Schlagzeilen.
Dass Stäbler im vergangenen Jahr die immer wieder vom Weltverband UWW vorgenommenen Gewichtsklassen-Änderungen nutzte, um sich als erster Ringer zum Weltmeister in drei verschiedenen Kategorien (66, 71, 72 Kilo) zu krönen, sorgte zusätzlich für Aufmerksamkeit in einer Sportart, die in Deutschland sonst eher am Rande wahrgenommen wird.
Laut Stäbler gibt es in seiner neuen Gewichtsklasse 13 Athleten, die für eine Medaille gut sind. „Es ist ein brutales Feld“, sagte er: „Es ist schwerer, sich für Olympia zu qualifizieren, als dort eine Medaille zu holen.“
Der gebürtige Schwabe muss zu den besten Sechs gehören, um sich ein Olympia-Ticket zu sichern. Sollte ihm das nicht gelingen, wartet der Umweg über die Qualifikationsturniere im Frühjahr. Und nach Tokio möchte Stäbler unbedingt, denn mit Olympia hat er noch eine Rechnung offen. Im Jahr 2012 landete Stäbler auf dem vierten Platz, 2016 war es aufgrund einer Verletzung Rang sieben.
„Wenn nichts ungewöhnliches passiert, holt er den Quali-Platz – auch wenn in den olympischen Klassen die Hölle los ist“, sagte DRB-Präsident Manfred Werner dem SID: „Eine Medaille ist für ihn absolut drin.“ sid