Zu großer Flanken-Fokus

von Redaktion

Taktik-Experte Eckner erklärt, was sich bei RB verändert hat und wo es bei Bayern noch hakt

VON JONAS AUSTERMANN

München – Im Vorfeld des Bundesliga-Spitzenspiels zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern setzten die Trainer Niko Kovac und Julian Nagelsmann ihr Pokerface auf. Taktik-Experte Constantin Eckner von spielverlagerung.de blickte im Gespräch mit dieser Zeitung voraus. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Gipfeltreffen.

Spielt Leipzig schon Nagelsmann-Fußball?

Bereits nach drei Bundesliga-Partien und einem Pokal-Auftritt ist klar zu sehen, dass der frühere Hoffenheim-Coach seinem Stil in Leipzig treu bleibt. „Julian Nagelsmann hat sich ein Stück weit vom Rangnick-Fußball entfernt“, erklärt Eckner. „Leipzig spielt jetzt mehr auf Ballbesitz, ist deutlich ruhiger am Ball und spielt mehr flache Pässe.“ Unter dem ehemaligen Trainer Ralf Rangnick gab es vorzugsweise lange Bälle in die Spitze, anschließend kämpfte man um die Abpraller. „Die Partien sind jetzt weniger von Chaos und Zufall geprägt“, meint Eckner. „Und für eine Topmannschaft ist es gut, die Kontrolle zu behalten.“ In der Vergangenheit brach das Team im Laufe einer Saison regelmäßig ein, die intensive Spielweise forderte ihren Tribut. Das soll sich unter Nagelsmann ändern. Zu Beginn setzte der 32-Jährige wie schon in Hoffenheim auf ein 3-5-2-System. Beim jüngsten Sieg in Gladbach kehrte er zum typischen Leipziger 4-4-2 zurück. Und wie wird der Tabellenführer am Samstag gegen den Meister spielen? Nagelsmann habe schon in der Vergangenheit gegen die Bayern „auf Ballbesitz und ein mutiges Auftreten gesetzt“, sagt Eckner nach seiner Analyse.

Hat Kovac die Bayern weiterentwickelt?

Trotz Double-Gewinn in der vergangenen Saison missfiel einigen im Münchner Lager die Art, wie Kovac die Münchner Mannschaft zu den Titeln führte. Der größte Kritikpunkt: Der Rekordmeister wird nur über die Flügel gefährlich. „Es hat sich noch nicht so viel verändert im Vergleich zur Rückrunde der letzten Saison. Gegen Mainz gab es wieder 17 Flanken“, stellte Eckner fest. Mit der Leihe von Barçelona-Star Philippe Coutinho und der zeitweisen Beförderung von Joshua Kimmich ins defensive Mittelfeld ist das spielerische Potenzial im Zentrum der Bayern aber deutlich gestiegen. Noch sucht Kovac nach der richtigen Rezeptur. „Wenn Thiago nicht auf der Sechs spielt, sondern weiter vorne, dann hängt er oft etwas in der Luft. Er ist besser darin, den Spielaufbau selbst zu leiten, als die Bälle zugespielt zu bekommen“, sagt der Taktik-Experte. Spielt Thiago auf der Sechs, braucht er gegen Topteams wie Leipzig einen Nebenmann, der dem Gegner wenig Platz zum Kombinieren gibt. Ein Typ wie der Spanier Javi Martinez also? Eckner schränkt ein: „Martinez hat keinen guten Stand, weil seine Ballsicherheit abgebaut hat. Letzte Saison hat er im Aufbau oft keine Rolle gespielt – und das kann sich Kovac gegen Teams, die früh angreifen, nicht erlauben.“

Passt Timo Werner wirklich nicht zum FCB?

Der Leipziger Torjäger, der in den bisherigen drei Bundesliga-Spielen fünf Tore erzielte, galt im Sommer als möglicher Zugang beim FC Bayern. Letztlich entschieden sich die Münchner gegen den 23-Jährigen. Für Eckner die richtige Entscheidung: „In das aktuelle System des FCB würde Werner nicht passen. Als Flügelspieler wäre er nicht besser als die aktuellen und im Sturm müsste er wie Lewandowski mit dem Rücken zum Tor spielen können. Werner aber spielt am besten mit dem Gesicht zum Tor.“

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