Ist ein Gegentor nicht Paukenschlag genug?

von Redaktion

Für den österreichische Nationalspieler Martin Hinteregger kam der Zeitpunkt des Auswärtsspiels bei seinem Ex-Club FC Augsburg vermutlich nicht besonders gelegen. Dem schwäbischen Publikum waren die jüngsten Eskapaden des Verteidigers noch so gut in Erinnerung, dass Hinteregger beim Gastspiel mit Eintracht Frankfurt am Samstag bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Die Fans dachten dabei allerdings weniger an die jüngste Feier-Eskapade bei der Nationalmannschaft, sondern an das unrühmliche Ende des Spielers in Augsburg – er hatte im August seinen Wechsel zur Eintracht provoziert. Am Samstag sah Hintergger nicht nur Gelb, er musste vor allem den Sieg seines früheren Clubs miterleben – so wie in der Rückrunde der vergangenen Saison. Damals hatten die Schwaben unter dem neuen Trainer Martin Schmidt 3:1 gewonnen, dieses Mal 2:1. Immerhin vereitelte Hinteregger einen weiteren Gegentreffer, als er den Schuss von Alfred Finnbogason auf der Linie klärte. Augsburg hingegen sieht nach dem ersten Saisonsieg einen Aufwärtstrend. „Vier Punkte in vier Spielen, das ist ein passabler Start“, sagte Schmidt. der sicher ist: „Der Mut wird durch solche Spiele kommen,“

Schiedsrichter Tobias Welz suchte öfters als für die Partie gut und notwendig war den Rat der Kollegen in Köln. „So ein Spiel habe ich als Trainer noch nicht erlebt“, sagte Florian Kohfeldt, Trainer von Werder Bremen, nach dem hart erkämpften 2:1-Sieg seiner Mannschaft beim Aufsteiger Union Berlin. Bei drei Aktionen im Strafraum bekam Weltz die Unterstützung vom Video-Assistent Bastian Dankert. Beim ersten Mal prüfte der Schiedsrichter die Bilder auf dem Monitor im Stadion drei Minuten lang, ehe er bei seiner Entscheidung Elfmeter blieb – falsch, wie DFB-Projektleiter Jochen Drees gestern wissen ließ. Bei den anderen beiden Strafstoß-Situationen ging es schneller – und die Elfmeter waren berechtigt. Zwei wurden übrigens verwandelt: Davy Klaassen für Bremen und Sebastian Andersson für Union. Beim dritten scheiterte Klaassen, aber nach dem anschließenden Eckball köpfte Niclas Füllkrug ein. Richtig hektisch wurde es dann noch einmal in der Schlussphase, weil Weltz zuerst Berlins Neven Subotic nach einem Foul – zu Recht – mit Gelb-Rot vom Platz stellte und anschließend auch noch Bremens Nuri Sahin – höchst umstritten – des Feldes verwies. Kohfeldt sah den Grund für die hitzige Atmosphäre auch bei Weltz.. „Er hat versucht, über gewisse Entscheidungen wieder Ruhe ins Spiel reinzubringen, die es aus meiner Sicht noch mehr angeheizt haben.“

Es ist stets kein gutes Zeichen, wenn der Manager dem Trainer schon nach den ersten Spielen in Schutz zu nehmen versucht, und so sollte sich wohl auch Ante Covic ein paar Gedanken machen. „Wir bleiben ruhig. Ante bekommt von uns jede Hilfestellung“, sagte Michael Preetz von Hertha BSC dem „Kicker“ nach der 1:2-Niederlage beim FSV Mainz 05. Die Berliner belegen mit nur einem Punkt den vorletzten Tabellenplatz – so schlecht nach vier Spieltagen waren sie zuletzt vor 40 Jahren. „Wir verkennen nicht die Situation, aber es ist genügend Zeit, und es bleiben genügend Spiele, um die Negativ-Dynamik umzukehren“, sagte Preetz. Man würde sehen, „wie akribisch“ Covic und sein Trainerteam arbeiten. Der Kroate wirkte in Mainz sehr nachdenklich. Man müsse „gemeinsam aus diesem Tal raus“, erklärte er: „Es ist wichtig für uns, dass wir noch enger zusammenrücken. Wir müssen fleißig bleiben. Wir müssen es erzwingen.“

Alassane Plea hatte früh für Enttäuschung bei den Fans des 1. FC Köln gesorgt – mit seinem Treffer zum 1:0 für Borussia Mönchengladbach in der 14. Minute, dem Tor des Tages. Der Frust bei einem Stadion-Besucher entlud sich dann kurz vor Ende – in Form eines Böllerwurfs. Bei der Explosion hinter dem Tor zuckten nicht nur die meisten Zuschauer zusammen, sondern auch Spieler und Trainer. Zwölf Personen, unter ihnen Ordner und Fotografen, wurden mit Verdacht auf Knalltraumata ins Krankenhaus gebracht. „So ein Zwischenfall ist schade, weil ein Fußball-Spiel eigentlich Freude bringen soll“, sagte Kölns Kapitän Jonas Hector. Noch deutlichere Worte fand Gladbachs Ex-Weltmeister Christoph Kramer: „99,99 Prozent freuen sich auf so ein Spiel. Aber es gibt immer solche Idioten.“ Die vor allem betroffenen Fotografen forderten vom Aufsteiger eine „lückenlose Aufklärung“. Dank Videoaufnahmen konnte ein 35 Jahre alter Kölner als mutmaßlicher Täter identifiziert werden. Er wurde noch im Zuschauerblock festgenommen. Gegen den Mann wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. ELISABETH SCHLAMMERKL

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