Leipzig – Bei den Torhütern der deutschen Nationalmannschaft herrscht dicke Luft. Manuel Neuer, die Nummer eins von Bundestrainer Joachim Löw, hat sich seinen Rivalen Marc-Andre ter Stegen verbal zur Brust genommen. Nach dem 1:1 in Leipzig reagierte der Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft auf die jüngsten Frust-Aussagen des Barca-Keepers.
Ter Stegen hatte in den EM-Qualifikationsspielen gegen die Niederlande (2:4) und Nordirland (2:0) Anfang September erneut keinen Einsatz bekommen, letztmals durfte er unter Jogi Löw im März bei einem Testkick gegen Serbien 45 Minuten lang ran. Das reicht dem ehrgeizigen 27-Jährigen nicht. „Diese Reise mit der Nationalmannschaft war ein harter Schlag für mich“. schimpfte er deshalb nach der letzten Länderspielpause. Seinen Platz auf der Bank kann ter Stegen nicht nachvollziehen. „Es ist nicht einfach, eine Erklärung dafür zu finden“, meinte er: „In jedem Spiel versuche ich, das Beste aus mir herauszuholen,“
Das sind Worte, die bei Neuer gar nicht gut ankamen. Der Bayern-Keeper zeigte am Samstag gegen Leipzig, warum er noch immer Löws Nummer eins ist. Der 33-Jährige verhinderte die mögliche Leipziger Führung mehrfach mit glänzenden Paraden. Und auch bei den Fragen in der Mixed Zone war er anschließend voll da. „Ich weiß nicht, ob das förderlich ist. Jeder, der nicht spielt, ist unzufrieden – da habe ich vollstes Verständnis für. Aber ich denke, das Wichtigste ist immer der Erfolg und das Wohl der Mannschaft“, sagte Neuer zu ter Stegens Beschwerde.
Bei den Ausführungen des Bayern-Keepers klang deutlich durch, dass er sich bisweilen mehr Hilfe seines Ersatzmanns im Nationalteam wünscht. Neuer sagte zum Beispiel, er kenne es vom Handball, dass sich die Torhüter gegenseitig unterstützen. Sein Wunsch: Ein Bild wie bei der Weltmeisterschaft 2006, als Bankdrücker Oliver Kahn seinem Rivalen Jens Lehmann vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien viel Glück wünschte.
Ist Neuer also enttäuscht von ter Stegen? „Das will ich nicht sagen, und mehr will ich dazu auch nicht sagen.“ Tat der Münchner Schlussmann dann aber doch – und wie: „Es ist nicht das erste Mal, dass man (ter Stegen, Anm. d. Red.) sich in die Richtung äußert. Ich denke, dass ich sehr gute Leistungen zeige. Alle Verantwortlichen, egal bei welcher Mannschaft, sind zufrieden mit mir.“ Kampflos – das ist klar – wird Neuer seinen Posten im Löw-Team nicht räumen. Fortsetzung folgt…