Am Ende noch standesgemäß

von Redaktion

FC Bayern dominiert Belgrad, macht sich das Leben aber selbst schwer

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Der Champions-Anzug passte perfekt, aber genau genommen nur der feine hellgraue Zwirn von Trainer Niko Kovac. Der FC Bayern hat zwar sein erstes Spiel der Königsklassen-Saison gewonnen und holte den 16. Auftaktsieg in Serie. Aber das 3:0 (1:0) gegen Roter Stern Belgrad ließ einige Wünsche offen. Die Münchner vergaben wieder eine Vielzahl von Chancen und machten sich so das Leben selbst schwer. Allein Kingsley Coman und Robert Lewandowski trafen gestern vor 70 000 Zuschauern in der Allianz Arena.

Niko Kovac nahm im Vergleich zum Spiel am Samstag in Leipzig ein paar Veränderungen vor. Jerome Boateng musste trotz guter Leistung wieder auf der Bank Platz nehmen. Für ihn rückte Benjamin Pavard in die Innenverteidigung. Auch Joshua Kimmich bekam eine neue Aufgabe, die aber eine alte war – er spielte wieder als rechter Außenverteidiger. Die vakante Stelle im Mittelfeld übernahm Corentin Tolisso. Außerdem spielten Ivan Perisic für Serge Gnabry und – wie erwartet – Philippe Coutinho für Thomas Müller.

Nach dieser Rotation im größeren Stil musste sich die Mannschaft erst finden. Ein paar Abstimmungsprobleme und vor allem die massive Abwehr der Gäste mit dem Ex-Löwen Milos Degenek sorgten für eine zähe Anfangsphase. Die Münchner waren zwar überwiegend in Ballbesitz, aber sie wussten daraus kein Kapital zu schlagen.

Für den ersten Aufreger sorgte Manuel Neuer, der im Strafraum einen Rückpass annehmen wollte, doch der Ball versprang ihm, und der Keeper musste auf Kosten eines Eckballs in höchster Not klären. Kurz darauf kam Belgrad nach einem Konter zu einer ersten kleinen Chance, aber Pavard klärte umsichtig gegen Pavkov.

Der FC Bayern tat sich zunächst schwer, den serbischen Abwehrriegel zu knacken. Zu unpräzise kamen die Zuspiele in die Mitte, zu selten entschied sich ein Münchner, es aus der Distanz zu versuchen. Allein Coutinho zog aus der Distanz ab, verfehlte jedoch zweimal das Ziel (21./44.).

Nach einer knappen halben Stunde klappte das Kombinationsspiel auf einmal besser. Der Schuss von Lucas Hernandez nach Vorlage seines Landsmannes Tolisso ging noch knapp vorbei (28.). Als kurz darauf Perisic eine mustergültige Flanke vor das Tor zirkelte, flog Kingsley Coman heran – und köpfe den Ball aus kurzer Distanz zur verdienten 1:0-Führung für den FC Bayern ins Tor (34.).

Nur sechs Minuten später lag der Ball wieder im Netz, Coutinho hatte ihn mit dem Absatz über die Linie bugsiert, aber der sehenswerte Treffer zählte nicht, weil der Brasilianer beim Zuspiel von Coman im Abseits stand. Angesichts der drückenden Überlegenheit der Münchner war Belgrad mit dem einen Gegentor zur Pause gut bedient.

In der zweiten Hälfte bot sich das gleiche Bild. Die Bayern befanden sich von Anfang an in der Vorwärtsbewegung, Roter Stern war fast ausschließlich mit Verteidigen beschäftigt. Die ganz seltenen Entlastungsangriffe nach Ballverlusten der Bayern wurden fast dilettantisch vergeben wie die von Jander nach einer Stunde. Einzig der ehemalige Bundesliga-Spieler Marko Marin konnte mit einem Distanzschuss, der knapp am Tor vorbeiging, für Gefahr sorgen (78.).

Aber auch die Bayern hatten kein großes Schussglück. Lewandowski, Tolisso, Perisic hatten beste Gelegenheiten, vergaben diese aber leichtfertig. Ein wenig erinnerte deshalb das Spiel an jenes in Leipzig, auch da hatten die Münchner viele Chancen nicht genutzt – und waren am Ende dafür bestraft worden. Aber die Münchner haben ja Robert Lewandowski und Thomas Müller, die in den letzten zehn Minuten den 3:0-Endstand besorgten.

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