Kimmich beweist Haltung

Auf dem Weg zum Capitano

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Zugegeben: Er ist nicht eloquent wie ein Thomas Müller. Oder platziert Gags spielerisch wie Jürgen Klopp. Dennoch war der Auftritt von Joshua Kimmich im „ZDF Sportstudio“ am Samstagabend bemerkenswert.

Der Bayern-Star versteckte sich nicht hinter üblichen Profi-Phrasen. Er bezog klar Stellung. Besonders zum Aufregerthema der vergangenen Woche – dem Streit um die Nummer 1 im DFB-Tor. Kimmich stellte sich hinter Marc-André ter Stegen, ohne Manuel Neuer in den Rücken zu fallen. Neuer sieht er als klare Nummer 1. Aber als Moderator Jochen Breyer mehrfach nachhakte, ob er Verständnis für den Keeper vom FC Barcelona hat, knickte der 44-malige Nationalspieler nicht ein. „Ich kann ihn verstehen, ja“, lautete sein unmissverständliches Fazit zu der Diskussion, die Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bewusst befeuert haben.

So redet und handelt ein zukünftiger Bayern-Kapitän. Und ein zukünftiger Spielführer der deutschen Nationalmannschaft. Im Gegensatz zu Hoeneß und Rummenigge blickt der frühere Leipziger nicht nur mit der Bayern-Brille auf das Fußballgeschehen. Er machte deutlich: „Manu“ ist mein Mitspieler, „Marc“ aber auch – bei der Nationalmannschaft. In beiden Mannschaften wird Kimmich so schon bald zu einer Führungspersönlichkeit aufsteigen. Die sportliche Qualifikation vorausgesetzt.

Was für ein Ansehen er schon jetzt genießt, zeigten zwei Einspieler im „Sportstudio“. Bayern-Kollege Niklas Süle und Julian Brandt von Borussia Dortmund lobten vor allem Kimmichs Unbekümmertheit und seinen Willen. Allerdings müsse man manchmal die Ohren auf Durchzug stellen, merkte Brandt an, da der Mittelfeldspieler gerne ohne Punkt und Komma quasselt.

Oft beklagen Fans und Experten das Fehlen von Typen im heutigen Profigeschäft. Teilweise auch zu Recht. Joshua Kimmich kann man das – nicht erst seit Samstagabend – keineswegs vorwerfen. Schon bei der DFB-Ausbootung des Trios Hummels-Boateng-Müller bewies er Haltung und kritisierte offen die „Art und Weise“ des Bundestrainers.

Der junge Papa schießt also auch in die andere Richtung, wenn er es für richtig hält.

Aus diesem Holz sind Anführer geschnitzt.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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